Was den Beruf ausmacht
Veranstaltungsingenieure verbinden Ingenieurwissen mit dem Betrieb von Bühnen und Veranstaltungsorten. Sie berechnen und bewerten Bühnenmaschinen, Hängepunkte, Lastannahmen und die Energieversorgung. Sie planen Licht-, Ton-, Video- und Medientechnik für Neubauten, Sanierungen und einzelne Produktionen. Damit stehen sie an der Schnittstelle von Technik, Kunst und Betriebswirtschaft.
Der Zugang führt über ein Ingenieurstudium, nicht über eine Ausbildung. Typische Positionen sind die technische Leitung eines Hauses, die Fachplanung in Ingenieurbüros, die Projektierung bei Herstellern von Bühnen- und Veranstaltungstechnik sowie Prüf- und Sachverständigentätigkeiten. Wer ein Jahr einschlägige Praxis nachweist, kann das Befähigungszeugnis als verantwortliche Person für Veranstaltungstechnik beantragen.
Arbeitsumgebung
Arbeitsorte sind Theater und Opernhäuser, Mehrzweck- und Messehallen, Arenen und Studios sowie Planungsbüros, Rental-Firmen und Hersteller. Ein Teil der Arbeit findet am Schreibtisch statt: Berechnung, CAD-Planung, Ausschreibung, Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation. Der andere Teil spielt sich auf der Baustelle, im Schnürboden, in der Halle und im laufenden Vorstellungsbetrieb ab.
Die Zusammenarbeit reicht von Regie, Ausstattung und Produktionsleitung über Bühnen-, Beleuchtungs- und Tonabteilung bis zu Architekturbüros, Prüfstellen und Genehmigungsbehörden. Persönliche Schutzausrüstung, Höhenarbeit und Arbeiten im Publikumsbereich gehören zum Alltag. Termindruck entsteht vor allem in Aufbau-, Umbau- und Premierenphasen.
Arbeitszeiten
In Planung und Projektierung sind die Arbeitszeiten überwiegend regulär. In Spielstätten und auf Produktionen richtet sich der Dienst nach Proben, Vorstellungen und Aufbauphasen, also nach Abenden, Wochenenden und Feiertagen. Größere Umbauten liegen häufig in den Spielzeitpausen und laufen als Blockphase. Montagen und wiederkehrende Prüfungen finden teils in Nacht- und Randzeiten statt, weil der Publikumsbetrieb nicht unterbrochen werden kann.
Typische Aufgaben
- Bühnenmaschinen, Traversen- und Hängepunktkonstruktionen auslegen, nachweisen und dokumentieren
- Licht-, Ton-, Video- und Medientechnik für Spielstätten und Produktionen planen und ausschreiben
- Elektrische Anlagen und Energieversorgung von Veranstaltungen konzipieren und bewerten
- Gefährdungsbeurteilungen erstellen, Prüffristen festlegen und Prüfungen nach DGUV Vorschrift 17 und DGUV Vorschrift 3 veranlassen
- Neubauten, Sanierungen und Neuausstattungen von Versammlungsstätten als Projekt steuern
- Technische Teams führen, Gewerke koordinieren und Fremdfirmen einweisen
- Betreiberpflichten nach Versammlungsstättenverordnung wahrnehmen und Behördenauflagen umsetzen
- Abnahmen begleiten sowie Prüfbücher und technische Dokumentation pflegen
Anforderungen & Skills
- Abgeschlossenes Ingenieurstudium der Theater- und Veranstaltungstechnik oder ein vergleichbarer technischer Studienabschluss
- Kenntnisse in Mechanik, Konstruktion, Elektrotechnik, Lichttechnik und Beschallungsplanung
- Sicherer Umgang mit CAD- und Berechnungssoftware sowie mit Planungswerkzeugen für Licht und Ton
- Regelwerkskenntnis: Versammlungsstättenverordnung, DGUV Vorschrift 17 und 18, DIN 56950, VDE-Normen und die Standards der IGVW
- Praxiserfahrung aus Proben- und Vorstellungsbetrieb, Tour oder Messebau
- Führungserfahrung und die Fähigkeit, zwischen künstlerischen Wünschen und technischen Grenzen zu vermitteln
- Schwindelfreiheit, arbeitsmedizinische Eignung für Höhenarbeit und Sorgfalt in der Dokumentation
- Bereitschaft zu Abend-, Wochenend- und Reisetätigkeit
- Deutsch sicher in Wort und Schrift, Englisch für internationale Produktionen und Herstellerunterlagen
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Der Weg führt über ein Ingenieurstudium. Die Berliner Hochschule für Technik (BHT) bietet den Bachelorstudiengang Theater- und Veranstaltungstechnik und -management mit sieben Semestern Regelstudienzeit und dem Abschluss Bachelor of Engineering an. Inhalte sind ingenieur- und veranstaltungstechnische Grundlagen, Licht-, Ton-, Video- und Medientechnik, Bühnenmaschinenbau und Konstruktion sowie künstlerische und betriebswirtschaftliche Module. Zum Studium gehört eine viermonatige Praxisphase, dazu kommen Labore und ein Bühnenstudio im Maßstab 1:4.
Zugangsvoraussetzung ist die Hochschulreife; auch beruflich Qualifizierte können nach den Regeln des jeweiligen Landes zugelassen werden. Auf den Bachelor baut an der BHT ein dreisemestriger Master Veranstaltungstechnik und -management mit dem Abschluss Master of Engineering auf. Er richtet sich an leitende Funktionen, Fachplanung und den gehobenen öffentlichen Dienst.
Quereinstieg
Ein Quereinstieg in den Titel selbst ist nicht möglich, weil die Berufsbezeichnung an einen Ingenieurabschluss gebunden ist. Vergleichbare Aufgaben übernehmen Meister für Veranstaltungstechnik, die über Berufserfahrung in die technische Leitung hineinwachsen. Fachkräfte aus der Praxis können das Studium berufsbegleitend oder über den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte aufnehmen. Auch Abschlüsse in Elektrotechnik, Maschinenbau oder Medientechnik werden akzeptiert, wenn Branchenerfahrung dazukommt.
Weiterbildung
Nach mindestens einem Jahr einschlägiger Praxis kann das Befähigungszeugnis als verantwortliche Person für Veranstaltungstechnik nach § 39 Versammlungsstättenverordnung beantragt werden. Zuständig ist je nach Bundesland eine Industrie- und Handelskammer oder die Landesbehörde; in anderen Ländern ausgestellte Zeugnisse werden anerkannt.
Fachlich vertiefen lässt sich der Beruf über die Standards der IGVW, etwa SQQ1 Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik oder SQQ2 Rigging. Für Führungsaufgaben kommen Projektmanagement, Arbeitssicherheit und betriebswirtschaftliche Qualifikationen hinzu. Wer sich auf Prüfungen spezialisiert, entwickelt sich in Richtung Sachkundiger oder Sachverständiger für maschinentechnische Einrichtungen.
Häufige Fragen
Was macht ein Veranstaltungsingenieur?
Er plant und verantwortet die Technik von Veranstaltungsorten und Produktionen. Dazu gehören die Auslegung von Bühnenmaschinen und Hängepunkten, die Planung von Licht-, Ton- und Medientechnik sowie Gefährdungsbeurteilung, Prüfung und Dokumentation. In Spielstätten kommt die Führung der technischen Abteilungen hinzu.
Wo kann man Veranstaltungstechnik als Ingenieurstudium studieren?
Die bekannteste Adresse ist die Berliner Hochschule für Technik mit dem Bachelor Theater- und Veranstaltungstechnik und -management und dem darauf aufbauenden Master. An anderen Hochschulen gibt es verwandte Studiengänge in Medien-, Ton- oder Theatertechnik. Ein Blick in die aktuellen Studiengangslisten lohnt sich, weil sich das Angebot verändert.
Was verdient ein Veranstaltungsingenieur?
Realistisch sind rund 45.000 bis 75.000 Euro brutto im Jahr. Der Einstieg liegt darunter, technische Leitungen großer Häuser und Fachplanungen mit Projektverantwortung darüber. Region, Tarifbindung und Betriebsgröße wirken sich stark aus.
Wie unterscheidet sich der Veranstaltungsingenieur vom Meister für Veranstaltungstechnik?
Der Meister ist eine Aufstiegsfortbildung auf Basis einer Ausbildung und stark auf den Betrieb ausgerichtet. Das Ingenieurstudium ist breiter und stärker rechnerisch, konstruktiv und planerisch angelegt. Beide Wege führen zum Befähigungszeugnis als verantwortliche Person für Veranstaltungstechnik, beim Studium jedoch erst nach einem Jahr Praxis.
Braucht man Berufserfahrung vor dem Studium?
Formal nicht. Eine Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder Praxis aus Theater, Tour oder Messebau erleichtert das Studium und den Berufseinstieg jedoch erheblich, weil viele Inhalte an bekannte Abläufe anknüpfen.