Was den Beruf ausmacht
Tontechniker entscheiden, wie eine Veranstaltung klingt. Am Front-of-House-Platz, also am Mischpult im Publikumsbereich, entsteht die Mischung für den Saal: Pegelverhältnisse, Klangbearbeitung, Effekte und Dynamik. Am Monitorplatz entsteht parallel eine eigene Mischung für jeden Musiker oder Sprecher auf der Bühne.
Vor der Show stehen Aufbau, Verkabelung, Stagebox-Belegung und Mikrofonierung. Danach folgen Line-Check und Soundcheck, in denen jede Quelle einzeln geprüft und eingestellt wird. Im Betrieb geht es um Rückkopplungsfreiheit, Sprachverständlichkeit und die Fähigkeit, Probleme zu hören, bevor das Publikum sie bemerkt.
Arbeitsumgebung
Tontechniker arbeiten bei Verleih- und Produktionsfirmen, in Clubs, Theatern, Arenen und Kongresszentren, bei Festivals sowie fest bei Künstlern und Bands. Bei Konferenzen und Firmenveranstaltungen liegt der Schwerpunkt auf Sprache, Konferenztechnik und Zuspielung, bei Konzerten auf Musikmischung.
Feste Anstellungen gibt es vor allem bei Dienstleistern und Spielstätten. Ein großer Teil der Branche arbeitet freiberuflich und wird produktions- oder tourweise gebucht.
Arbeitszeiten
Der Tag richtet sich nach dem Produktionsablauf: Anlieferung und Aufbau am Morgen, Soundcheck am Nachmittag, Show am Abend, Abbau in der Nacht. Wochenend- und Feiertagsarbeit ist üblich. Auf Tourneen kommen Reisetage, Nachtfahrten und wechselnde Spielstätten hinzu.
Typische Aufgaben
- Beschallungs- und Monitoranlage aufbauen, verkabeln und in Betrieb nehmen
- Instrumente, Stimmen und Sprecher mikrofonieren, Funkstrecken einrichten und Frequenzen koordinieren
- Line-Check und Soundcheck durchführen, Kanäle benennen, Gains und Filter setzen
- Saalmischung am Front-of-House-Platz fahren, mit Klangbearbeitung, Dynamik und Effekten
- Monitormischungen für Wedges und In-Ear-Systeme erstellen und während der Show nachführen
- Rückkopplungen, Brummschleifen und Signalfehler unter Zeitdruck eingrenzen und beheben
- Zuspielungen, Konferenzton, Dolmetscherwege und Signalübergaben an Aufzeichnung oder Stream betreuen
- Showfiles, Kanallisten und Stageplans dokumentieren sowie Material prüfen, warten und abbauen
Anforderungen & Skills
- Praxis in der Live-Audiotechnik, meist über die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik
- Sichere Bedienung digitaler Mischpulte, etwa Yamaha CL und QL, DiGiCo, Allen & Heath, Midas oder Avid
- Kenntnis von Mikrofontypen, Mikrofonierung, Funkstrecken und Frequenzmanagement nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur
- Verständnis von Audionetzwerken wie Dante, AES50 oder MADI sowie von Stagebox- und Redundanzkonzepten
- Gutes Gehör, geschultes Urteil über Klangbalance und Sprachverständlichkeit
- Grundwissen zu Elektrosicherheit, Lärmschutz und den Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung
- Ruhe und schnelle Fehlersuche im laufenden Betrieb
- Reise- und Schichtbereitschaft, körperliche Belastbarkeit beim Auf- und Abbau
- Englisch für Rider, Kanallisten und internationale Produktionen
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Die Bezeichnung Tontechniker ist nicht geschützt, einen eigenen geregelten Ausbildungsberuf gibt es nicht. Der übliche Weg führt über die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik und anschließende Spezialisierung im Tongewerk. Wer aus dem Studio- und Musikbereich kommt, steigt teils über ein Tonmeisterstudium oder eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton ein.
Quereinstieg
Viele beginnen im Club, im Proberaum, in der Gemeinde- oder Schulveranstaltungstechnik und arbeiten sich über Aushilfsjobs bei Verleihbetrieben hoch. Entscheidend sind gesammelte Showtage und Empfehlungen. Ohne belegbare Praxis auf vergleichbaren Anlagen werden weder Festanstellung noch gut bezahlte Buchungen vergeben.
Weiterbildung
Der Branchenstandard IGVW SQQ7 beschreibt den Berufsspezialisten für Tontechnik und ist die gängigste Fachqualifikation. Ergänzend sind SQQ10 für Netzwerktechnik, SQQ1 als Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik sowie Herstellerschulungen zu Pulten und Systemen üblich. Für Leitungsaufgaben folgen der Meister für Veranstaltungstechnik oder der Wechsel in Projektleitung und technische Leitung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen FOH und Monitor?
Am Front-of-House-Platz entsteht die Mischung für das Publikum im Saal. Am Monitorplatz entstehen getrennte Mischungen für die Menschen auf der Bühne, über Wedges oder In-Ear-Systeme. Beide Aufgaben verlangen andere Prioritäten und werden bei großen Produktionen von zwei Personen übernommen.
Wie unterscheidet sich der Tontechniker vom Systemtechniker Beschallung?
Der Tontechniker mischt, der Systemtechniker verantwortet die Anlage. Systemtechniker planen, hängen und messen das Lautsprechersystem ein, damit im gesamten Publikumsbereich ein gleichmäßiger Klang ankommt. In kleineren Produktionen übernimmt eine Person beides.
Welche Ausbildung braucht man als Tontechniker?
Einen geschützten Abschluss gibt es nicht. Üblich ist die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, ergänzt um die IGVW-Qualifikation SQQ7. Aus dem Musikbereich führt auch ein Tonmeisterstudium oder die Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton in den Beruf.
Welche Mischpulte sollte man beherrschen?
Verbreitet sind digitale Systeme von Yamaha, DiGiCo, Allen and Heath, Midas und Avid. Wichtiger als jedes einzelne Modell ist das Verständnis der Signalwege, denn die Bedienlogik lässt sich übertragen. Herstellerschulungen und Offline-Software helfen beim Einarbeiten.
Was verdient ein Tontechniker in der Veranstaltungsbranche?
Als Orientierung liegen Festanstellungen meist zwischen 34.000 und 55.000 Euro brutto im Jahr, mit großen regionalen Unterschieden. Freiberufliche Tontechniker rechnen über Tagesgagen ab, aktuell etwa 400 bis 800 Euro pro Tag je nach Produktion und Qualifikation.