Was den Beruf ausmacht
Systemtechniker verantworten die Anlage, nicht die Mischung. Ihre Aufgabe beginnt in der Planung: Aus Saalgeometrie, Publikumsflächen, Hängepunkten und Zielpegel entsteht eine Simulation der Beschallung, meist mit der Software des Lautsprecherherstellers oder mit Raumakustiksoftware. Daraus ergeben sich Anzahl, Position und Neigung der Lautsprecher.
Vor Ort folgen Aufbau, Flugrahmen, Winkelvorgaben und Verkabelung, danach das Einmessen. Mit Messsystem und Messmikrofon werden Laufzeiten, Übergangsbereiche und Frequenzgang zwischen Arrays, Subwoofern, Fills und Delay-Linien abgeglichen. Am Ende steht ein System, auf dem der Tontechniker verlässlich mischen kann.
Arbeitsumgebung
Typische Arbeitgeber sind Verleih- und Beschallungsfirmen, Festivalveranstalter, Arenen und Kongresszentren sowie Hersteller im technischen Support. Auf Tourneen gehört der Systemtechniker zum festen Audioteam und arbeitet eng mit Rigging, Statik und Produktionsleitung zusammen, weil Hängepunkte und Traglasten die Planung begrenzen.
Bei Freiluftveranstaltungen kommen Wetter, Wind und Immissionsschutz hinzu. Nachbarschaftsschutz und Pegelauflagen sind fester Teil der Planung, bei Festivals auch die Abstimmung mit benachbarten Bühnen.
Arbeitszeiten
Die Systemtechnik ist beim Aufbau früh dran und beim Abbau spät weg, weil das Lautsprechersystem vor allen anderen Gewerken hängen und nach der Show wieder herunter muss. Frühschichten, Nachtarbeit und Wochenenden gehören dazu, auf Tour ebenso Reisetage und wechselnde Spielstätten.
Typische Aufgaben
- Beschallungskonzept aus Saalplan, Publikumsflächen und Zielpegel entwickeln
- Abdeckung und Arraywinkel simulieren, etwa in ArrayCalc, Soundvision, EASE oder vergleichbarer Herstellersoftware
- Hängepunkte, Lasten und Flugrahmen mit Rigging und technischer Leitung abstimmen
- Line-Arrays, Subwoofer, Front-, Out- und Delay-Fills aufbauen, ausrichten und verkabeln
- System einmessen und zeitlich ausrichten, mit Messsystemen wie Smaart oder herstellereigener Software
- Endstufen, Controller und Presets konfigurieren sowie Netzwerk und Redundanz einrichten
- Pegel- und Immissionsauflagen überwachen und dokumentieren
- Während der Show das System überwachen, Fehler eingrenzen und den Mischplatz unterstützen
Anforderungen & Skills
- Solide Grundlagen in Akustik, Schallausbreitung, Laufzeit, Phase und Filtertechnik
- Sicherer Umgang mit Simulations- und Messsoftware sowie mit Messmikrofonen und Referenzmessungen
- Kenntnis gängiger Lautsprechersysteme und Controller, etwa von d&b audiotechnik, L-Acoustics, Meyer Sound, Adamson oder Nexo
- Erfahrung mit Audionetzwerken wie Dante, AES67 oder Milan und mit Fernsteuerung der Endstufen
- Verständnis von Traglasten, Hängepunkten und Flugrahmen sowie der einschlägigen Sicherheitsregeln, häufig mit IGVW SQQ2
- Praxis in der Veranstaltungstechnik, meist über die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik
- Sorgfalt und Dokumentationsdisziplin, weil Messwerte und Pegelauflagen nachweisbar sein müssen
- Reise- und Schichtbereitschaft, körperliche Belastbarkeit
- Englisch für Herstellerdokumentation und internationale Produktionen
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Für den Systemtechniker Beschallung gibt es keinen geschützten Abschluss und keinen eigenen Ausbildungsberuf. Fachliche Basis ist in der Regel die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, ergänzt um mehrere Jahre Praxis im Tongewerk. Einige kommen über ein Studium der Tontechnik, Medientechnik oder Akustik in die Rolle.
Quereinstieg
Der übliche Weg führt über den Verleihbetrieb: erst Auf- und Abbau, dann Verkabelung und Endstufenracks, später eigenverantwortliches Einmessen unter Anleitung. Wer aus dem Tonhandwerk kommt und sich für Messtechnik und Physik interessiert, wechselt häufig aus der Mischposition in die Systemtechnik. Ohne Praxis an großen Systemen ist der Einstieg kaum möglich.
Weiterbildung
Zentral sind die Systemschulungen der Lautsprecherhersteller, die für viele Anlagen faktisch Voraussetzung sind. Als Branchenqualifikation dient IGVW SQQ7 für Tontechnik, ergänzt um SQQ10 für Netzwerktechnik, SQQ1 als Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik und SQQ2 für Rigging. Für Leitungsaufgaben folgt der Meister für Veranstaltungstechnik.
Häufige Fragen
Was macht ein Systemtechniker Beschallung genau?
Er plant und verantwortet die Lautsprecheranlage. Dazu gehören Simulation der Abdeckung, Auswahl und Hängung der Arrays, Verkabelung, Konfiguration der Controller und das Einmessen. Ziel ist ein gleichmäßiger, pegelkonformer Klang auf allen Publikumsplätzen.
Welche Software wird für Beschallungsplanung genutzt?
Verbreitet sind die Simulationsprogramme der Hersteller, etwa ArrayCalc von d&b audiotechnik oder Soundvision von L-Acoustics, dazu EASE für raumakustische Planung. Beim Einmessen kommen Messsysteme wie Smaart oder herstellereigene Werkzeuge zum Einsatz.
Braucht man eine Ausbildung für die Systemtechnik?
Einen geschützten Abschluss gibt es nicht. Üblich sind die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik und mehrere Jahre Praxis im Tongewerk. Hinzu kommen die IGVW-Qualifikation SQQ7 und Systemschulungen der Lautsprecherhersteller, die viele Auftraggeber voraussetzen.
Ist Systemtechnik dasselbe wie Mischen?
Nein. Der Tontechniker mischt Musik oder Sprache, der Systemtechniker sorgt dafür, dass diese Mischung überall im Saal gleich ankommt. Bei kleinen Veranstaltungen übernimmt eine Person beides, bei großen Produktionen sind es getrennte Positionen.
Wie wichtig sind Pegelauflagen und Immissionsschutz?
Sehr wichtig, besonders im Freien. Genehmigungen enthalten in der Regel Grenzwerte für Nachbarschaft und Publikum. Der Systemtechniker plant die Anlage so, dass diese Werte eingehalten werden, misst im Betrieb mit und dokumentiert die Ergebnisse.