Ungeregelt / Quereinstieg

Rigger

Auch bekannt als: Riggerin · Veranstaltungsrigger · Up-Rigger · Down-Rigger · Head-Rigger · Sachkundiger für Veranstaltungsrigging · Entertainment Rigger · Höhenarbeiter Veranstaltungstechnik

Rigger hängen Lasten über Bühne und Publikum auf: Traversen, Kettenzüge, Scheinwerfer, Lautsprecher und LED-Flächen. Sie bestimmen Anschlagpunkte, montieren Lastaufnahmeeinrichtungen und verantworten, dass die Konstruktion die auftretenden Kräfte sicher in das Gebäude oder in eine Traggerüststruktur einleitet.

Was den Beruf ausmacht

Rigging bedeutet das Aufhängen und Bewegen von Lasten über Menschen. Damit ist es der sicherheitskritischste Bereich der Veranstaltungstechnik. Rigger übersetzen Hängepläne in reale Anschlagpunkte, prüfen Traglasten, wählen Anschlagmittel und montieren Traversen, Elektrokettenzüge und Aufhängungen für Licht, Ton, Video und Dekoration.

Die Arbeit teilt sich meist zwischen Höhe und Boden: Am Dach oder in der Traverse werden Anschlagpunkte gesetzt, am Boden werden Ketten angeschlagen, Motoren gesteuert und Konstruktionen aufgebaut. Ein leitender Rigger übernimmt die Planung, die Lastannahmen und die Abstimmung mit Statik, Hausleitung und Behörden.

Arbeitsumgebung

Rigger arbeiten in Hallen, Arenen, Theatern und Messezentren sowie im Freien an Bühnendächern, Traggerüsten und Fliegenden Bauten. Auftraggeber sind Verleih- und Riggingfirmen, Spielstätten, Messebauer, Tourproduktionen und Personaldienstleister. Der Anteil freiberuflicher Tätigkeit ist hoch.

Der Arbeitsplatz liegt regelmäßig in großer Höhe, mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz. Wetter, Windlasten und enge Zeitfenster prägen den Alltag zusätzlich, besonders bei Open-Air-Produktionen.

Arbeitszeiten

Das Rigging steht am Anfang und am Ende jeder Produktion: Es hängt vor allen anderen Gewerken und baut zuletzt ab. Daraus folgen frühe Ladezeiten, lange Aufbautage und Nachtschichten. Auf Tourneen kommen Reisetage, wechselnde Hallen und tägliche Load-in- und Load-out-Zyklen hinzu.

Typische Aufgaben

  • Hänge- und Riggingpläne lesen, Lastannahmen prüfen und Anschlagpunkte im Dach festlegen
  • Anschlagmittel wählen und montieren: Rundschlingen, Stahlseile, Schäkel, Ketten und Lastaufnahmeeinrichtungen
  • Traversensysteme montieren, verbinden, ausrichten und gegen unbeabsichtigtes Lösen sichern
  • Elektrokettenzüge einhängen, ansteuern und Lasten kontrolliert heben, senken und ausrichten
  • Lastverteilung, Punktlasten und zulässige Traglasten der Spielstätte mit der technischen Leitung abgleichen
  • Arbeiten in der Höhe mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz sichern und Rettungskonzepte vorhalten
  • Material vor dem Einsatz sichten, Prüffristen kontrollieren und beschädigte Anschlagmittel aussondern
  • Gefährdungsbeurteilung umsetzen, Prüfungen dokumentieren und den Abbau in umgekehrter Reihenfolge sicher abwickeln

Anforderungen & Skills

  • Sachkunde für Veranstaltungsrigging nach IGVW SQQ2, in den Leveln 1 bis 3 je nach Verantwortung
  • Praxis in der Veranstaltungstechnik, häufig über die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik
  • Sicheres Verständnis von Kräften, Lastverteilung, Winkelbelastung und Sicherheitsfaktoren
  • Kenntnis der einschlägigen Regelwerke, insbesondere DGUV Vorschrift 17 und 18, DGUV Information 215-313, DIN 4112 für Fliegende Bauten und der IGVW-Standards SQP2 für Elektrokettenzüge
  • Schwindelfreiheit, körperliche Belastbarkeit und arbeitsmedizinische Eignung für Arbeiten in der Höhe
  • Ausbildung im Umgang mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz sowie Rettung aus Höhen
  • Sorgfalt, Konzentration und die Bereitschaft, eine Konstruktion notfalls zu stoppen
  • Teamfähigkeit und klare Kommunikation zwischen Dach, Boden und technischer Leitung
  • Reise- und Schichtbereitschaft, Englisch für internationale Tourproduktionen

Ausbildung & Einstieg

Ausbildung

Rigger ist kein geregelter Ausbildungsberuf und keine geschützte Berufsbezeichnung. Wer Lasten über Personen hängt, muss aber nachweislich sachkundig sein. Diesen Nachweis regelt die Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft mit dem Branchenstandard SQQ2 in drei Leveln: Level 1 für einfache Tätigkeiten unter Aufsicht, Level 2 für eigenverantwortliches Rigging, Level 3 für Planung, Leitung und komplexe Konstruktionen.

Quereinstieg

Der übliche Weg führt über die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder über mehrjährige Praxis als Stagehand und Techniker im Auf- und Abbau. Für die SQQ2-Lehrgänge werden Zugangsvoraussetzungen verlangt, etwa ein mehrjähriger Tätigkeitsschwerpunkt in der Veranstaltungstechnik oder das dritte Ausbildungsjahr. Quereinsteiger aus Industrieklettern, Höhenarbeit oder Metallbau bringen Teile des Profils mit, brauchen aber die branchenspezifische Sachkunde.

Weiterbildung

Aufbauend sind die höheren SQQ2-Level, Schulungen zu Elektrokettenzügen nach SQP2, PSA- und Rettungstrainings sowie Qualifikationen als befähigte Person zur Prüfung von Arbeitsmitteln üblich. Ergänzend sinnvoll sind SQQ1 als Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik und statische Grundlagen. Wer Verantwortung für den Betrieb übernehmen will, macht den Meister für Veranstaltungstechnik.

Häufige Fragen

Was macht ein Rigger genau?

Er hängt Lasten über Bühne und Publikum auf. Dazu gehören das Festlegen von Anschlagpunkten, die Auswahl der Anschlagmittel, die Montage von Traversen und Elektrokettenzügen sowie das kontrollierte Heben von Licht-, Ton- und Videotechnik. Er verantwortet, dass die Kräfte sicher abgetragen werden.

Welche Qualifikation braucht ein Rigger?

Einen geschützten Abschluss gibt es nicht, wohl aber eine Sachkundepflicht. Branchenstandard ist IGVW SQQ2 mit den Leveln 1 bis 3. Level 2 erlaubt eigenverantwortliches Rigging, Level 3 umfasst Planung und Leitung komplexer Konstruktionen. Umgangssprachlich heißt dieser Nachweis Riggerschein.

Wie unterscheiden sich Up-Rigger und Down-Rigger?

Der Up-Rigger arbeitet in der Höhe, setzt Anschlagpunkte im Dach und hängt die Motoren ein. Der Down-Rigger arbeitet am Boden, schlägt Ketten an, baut Traversen auf und steuert die Züge. Ein leitender Rigger koordiniert beide Ebenen und verantwortet die Planung.

Welche Regelwerke gelten beim Veranstaltungsrigging?

Maßgeblich sind die DGUV Vorschriften 17 und 18 für Veranstaltungs- und Produktionsstätten, die DGUV Information 215-313 zum Rigging, die DIN 4112 für Fliegende Bauten sowie die IGVW-Standards SQQ2 und SQP2. Hinzu kommen die Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung des jeweiligen Landes.

Was verdient ein Rigger?

Festanstellungen liegen als Orientierung meist zwischen 36.000 und 58.000 Euro brutto im Jahr, abhängig von Sachkundelevel und Verantwortung. Freiberufliche Rigger rechnen über Tagesgagen ab, aktuell etwa 400 bis 800 Euro pro Tag, mit Aufschlägen für Sachkunde und Leitungsfunktion.

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