Was den Beruf ausmacht
Regisseure legen fest, was eine Inszenierung erzählen soll und wie. Sie erarbeiten ein Konzept aus Text, Partitur oder Stoff, entwickeln es mit Dramaturgie, Bühnenbild, Kostüm, Licht und Ton weiter und setzen es im Probenprozess mit den Darstellenden um.
Ein großer Teil der Arbeit ist Führung und Kommunikation. Regie entscheidet unter Zeit- und Budgetdruck, bindet Gewerke ein und hält den roten Faden über Wochen der Proben. Die künstlerische Verantwortung für das Ergebnis liegt bei ihr.
Arbeitsumgebung
Gearbeitet wird an Stadt-, Staats- und Landestheatern, an Opern- und Musicalhäusern, in freien Gruppen sowie bei Festivals. In der Veranstaltungswirtschaft übernehmen Regisseure außerdem die Inszenierung von Shows, Galas, Eröffnungsfeiern, Markenauftritten und großen Corporate-Formaten.
Der Arbeitsplatz wechselt zwischen Probebühne, Hauptbühne, Werkstätten und Produktionsbüro. Bei Showproduktionen kommt die enge Abstimmung mit technischer Leitung, Regieassistenz und Produktionsleitung hinzu, weil Technik, Timing und Sicherheit den Ablauf mitbestimmen.
Arbeitszeiten
Die Arbeitszeit folgt dem Probenplan. Übliche Blöcke sind sechs bis acht Wochen Proben pro Inszenierung mit geteilten Diensten, dazu Abend- und Wochenendarbeit in der Endprobenphase.
Fest angestellte Hausregisseure und Spielleiter arbeiten nach dem Normalvertrag Bühne (NV Bühne). Freiberufliche Regisseure planen ihre Produktionen über ein bis zwei Jahre im Voraus und sind währenddessen am jeweiligen Produktionsort.
Typische Aufgaben
- Stoff, Stück oder Partitur analysieren und ein Inszenierungskonzept entwickeln
- Konzept mit Dramaturgie, Bühnenbild, Kostüm, Licht, Ton und Choreografie abstimmen
- Rollen besetzen und Vorsprechen oder Auditions leiten
- Proben planen, führen und szenische Abläufe festlegen
- Mit Darstellenden an Figuren, Sprache und Spielweise arbeiten
- Technische Proben, Beleuchtungsproben und Endproben leiten und das Ergebnis abnehmen
- Termine, Etat und Machbarkeit mit Produktionsleitung und technischer Leitung abgleichen
- Wiederaufnahmen begleiten oder an Spielleitung und Abendspielleitung übergeben
Anforderungen & Skills
- Regiestudium oder eine vergleichbare künstlerische Qualifikation, alternativ mehrjährige Regieassistenz
- Fundierte Kenntnis von Dramatik, Theatergeschichte und, im Musiktheater, Partiturlesen
- Fähigkeit, ein Konzept klar zu formulieren und ein großes Team darauf auszurichten
- Erfahrung in der Probenmethodik und in der Arbeit mit Darstellenden
- Verständnis für Bühnentechnik, Licht, Ton und die Grenzen des Machbaren
- Belastbarkeit, Konfliktfähigkeit und ein Bewusstsein für Machtverhältnisse im Probenraum
- Sicherer Umgang mit Terminplänen und Budgetvorgaben
- Reisebereitschaft und Bereitschaft zu Abend- und Wochenendarbeit
- Englischkenntnisse für internationale Produktionen und Ensembles
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Einen dualen Ausbildungsberuf gibt es nicht. Der geregelte Weg ist ein künstlerisches Regiestudium, etwa an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin, der Bayerischen Theaterakademie August Everding, der Hochschule für Musik und Theater Hamburg oder der Zürcher Hochschule der Künste.
Das Studium dauert in der Regel drei bis vier Jahre und schließt mit Bachelor, Diplom oder Master ab. Zugang gibt es nur über eine mehrstufige Eignungsprüfung mit eingereichten Konzeptarbeiten und praktischen Prüfungsteilen; die Studienplätze sind sehr knapp. Für Musiktheaterregie werden zusätzlich musikalische Kenntnisse verlangt.
Quereinstieg
Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, ein Quereinstieg ist also möglich und in der Praxis üblich. Der klassische Weg führt über mehrere Jahre als Regieassistenz an einem Haus, oft nach einem Studium in Theaterwissenschaft, Dramaturgie, Schauspiel oder Kulturmanagement.
Erste eigene Arbeiten entstehen meist in der freien Szene, im Kinder- und Jugendtheater oder in Studioformaten. In der Veranstaltungswirtschaft kommen Regisseure häufig aus Show- und Produktionsleitung, Choreografie oder Medienproduktion.
Weiterbildung
Vertiefungen gibt es in Musiktheaterregie, Dramaturgie, Videoregie, Schauspielführung und Produktionsmanagement. Für Showformate sind Kenntnisse in Timecode, Showablaufplanung und Veranstaltungssicherheit hilfreich.
Anschlussfelder sind Spielleitung, Dramaturgie, Intendanz, künstlerische Leitung von Festivals sowie Creative Director in Agenturen und Showproduktionen. Für freiberufliche Tätigkeit sind Kenntnisse zur Künstlersozialkasse und zum Urhebervertragsrecht wichtig.
Häufige Fragen
Wie wird man Regisseur?
Der geregelte Weg ist ein drei- bis vierjähriges Regiestudium an einer staatlichen Hochschule mit künstlerischer Eignungsprüfung. Ebenso verbreitet ist der Weg über mehrere Jahre als Regieassistenz an einem Theater. Einen dualen Ausbildungsberuf oder einen geschützten Titel gibt es nicht.
Was verdient ein Regisseur?
Fest angestellte Regisseure und Spielleiter an öffentlichen Häusern werden nach NV Bühne vergütet; die Mindestgage liegt bei rund 3.000 Euro brutto im Monat. Freiberufliche Regisseure erhalten ein Honorar je Inszenierung, teils zuzüglich Tantiemen aus den Vorstellungen. Die Spanne ist groß und hängt von Haus, Produktionsgröße und Bekanntheit ab.
Was macht eine Regieassistenz?
Die Regieassistenz organisiert den Probenprozess, protokolliert Szenen und Striche, betreut Besetzungen und hält die Verbindung zu Technik, Dramaturgie und Disposition. Sie ist der übliche Einstieg in den Beruf und führt oft zu ersten eigenen Inszenierungen im Studio oder im Kinder- und Jugendtheater.
Arbeiten Regisseure auch in der Veranstaltungsbranche?
Ja. Shows, Galas, Eröffnungsfeiern, Preisverleihungen, Markenauftritte und große Corporate-Formate werden inszeniert wie Theaterproduktionen. Regie arbeitet dort eng mit Show- und Produktionsleitung, technischer Leitung und Choreografie zusammen und plant Abläufe entlang von Timecode und Sicherheitsvorgaben.
Wie sicher ist der Beruf?
Feste Regiestellen sind selten und meist als Hausregie oder Spielleitung ausgeschrieben, zudem befristet nach NV Bühne. Die überwiegende Mehrheit arbeitet freiberuflich und plant Produktionen ein bis zwei Jahre im Voraus. Einkommenslücken zwischen Produktionen gehören zum Berufsalltag.