Was den Beruf ausmacht
Medientechniker arbeiten an der Schnittstelle von Inhalt und Technik. Sie nehmen Präsentationen, Videos, Grafiken und Showcontent entgegen, prüfen Formate und Auflösungen und bringen alles in ein System, das sich im Ablauf zuverlässig abrufen lässt. Bei Shows ist das der Medienserver, bei Kongressen die Präsentationsverwaltung.
Dazu kommt der Betrieb von Konferenz- und Präsentationstechnik: Rednerpult, Diskussionsanlagen, Abstimmungssysteme, Dolmetscherton und Hybridzuschaltungen über Videokonferenzplattformen. Bei Streaming verantworten Medientechniker Encoder, Bandbreiten, Plattformen und Aufzeichnung. Die Rolle ist stärker inhalts- und softwaregetrieben als die reine Bildtechnik.
Arbeitsumgebung
Typische Auftraggeber sind Kongress- und Tagungszentren, Veranstaltungsdienstleister, Agenturen für Firmenveranstaltungen, Hochschulen, Unternehmen mit eigener Medientechnik sowie Show- und Tourproduktionen. Der Arbeitsplatz ist der Regieplatz im Saal, ein Technikraum oder ein Regieplatz neben der Bühne.
Neben Projektarbeit gibt es hier vergleichsweise viele Festanstellungen, weil Unternehmen, Behörden und Hochschulen eigene Konferenz- und Medientechnik dauerhaft betreiben.
Arbeitszeiten
Bei Kongressen beginnt der Tag früh mit Technikcheck und Referentenbetreuung und endet nach dem Abendprogramm. Showproduktionen bringen Nachtschichten beim Aufbau und Programmierung bis kurz vor der Probe. In fest installierten Häusern und Unternehmen sind die Zeiten regelmäßiger, mit Bereitschaft bei Abendveranstaltungen.
Typische Aufgaben
- Zugelieferte Inhalte sichten, Formate, Auflösungen, Seitenverhältnisse und Schriften prüfen und konvertieren
- Medienserver einrichten und programmieren, etwa disguise, Pixera, Watchout, Hippotizer oder Pandoras Box
- Playback nach Ablaufplan, Cue oder Timecode ausspielen und mit Licht, Ton und Regie synchronisieren
- Präsentationstechnik für Referenten betreuen: Zuspielrechner, Vorschaumonitore, Countdown und Folienwechsel
- Konferenztechnik aufbauen und bedienen: Diskussionsanlagen, Abstimmungssysteme und Dolmetscherwege
- Streaming und Hybridformate umsetzen, mit Encoder, Plattformanbindung, Videokonferenzsystemen und Aufzeichnung
- Netzwerk, Speicher und Redundanz planen, Backups der Showfiles anlegen und Ausfallszenarien vorbereiten
- Referenten und Kunden vor Ort einweisen sowie Änderungen kurzfristig einarbeiten
Anforderungen & Skills
- Praxis in der Veranstaltungs- oder Medientechnik, häufig über die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder ein Medientechnikstudium
- Sicherer Umgang mit Medienserver- und Playback-Software sowie mit Präsentationsprogrammen
- Solide IT- und Netzwerkkenntnisse, häufig belegt über die IGVW-Qualifikation SQQ10
- Verständnis von Video- und Audioformaten, Codecs, Auflösungen, Bildraten und Latenz
- Kenntnis von Streamingplattformen, Encodern und Videokonferenzsystemen
- Erfahrung mit Konferenz-, Dolmetscher- und Abstimmungstechnik im Tagungsbetrieb
- Serviceorientierung und Ruhe im Umgang mit Referenten, Kunden und kurzfristigen Änderungen
- Sorgfalt beim Datenhandling, Versionierung und Datenschutz
- Schicht- und Reisebereitschaft, Englisch für internationale Kongresse und Herstellerdokumentation
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Für den Medientechniker in der Veranstaltungswirtschaft gibt es keinen geschützten Abschluss und keinen eigenen Ausbildungsberuf. Der häufigste Weg ist die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik mit Schwerpunkt Medien. Auch Mediengestalter Bild und Ton, Fachinformatiker sowie Studiengänge der Medientechnik führen in das Feld.
Quereinstieg
Quereinsteiger kommen oft aus der IT, aus der Videoproduktion oder aus dem Konferenzservice von Hotels und Kongresshäusern. Der Einstieg gelingt über Assistenzpositionen bei Tagungsdienstleistern, über Aushilfen im Kongressbetrieb oder über eigene Streamingprojekte. Wer Software schnell lernt und strukturiert arbeitet, wächst hier vergleichsweise zügig in Verantwortung.
Weiterbildung
Zentral ist die IGVW-Qualifikation SQQ10 für Informations- und Kommunikationstechnik in der Veranstaltungstechnik. Ergänzend gibt es Herstellerschulungen und Zertifizierungen für Medienserver sowie Zertifikate aus der professionellen AV-Branche. SQQ1 als Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik ist für den Aufbau sinnvoll. Für Leitungsaufgaben folgen der Meister für Veranstaltungstechnik oder der Wechsel in Projektleitung.
Häufige Fragen
Was macht ein Medientechniker bei einer Veranstaltung?
Er verantwortet Inhalte und Wiedergabesysteme: Medienserver und Playback, Präsentations- und Konferenztechnik, Dolmetscherwege sowie Streaming und Hybridformate. Er prüft zugelieferte Dateien, spielt sie zeitgenau aus und betreut Referenten während des Programms.
Worin unterscheidet sich der Medientechniker vom Videotechniker?
Der Videotechniker verantwortet Bildflächen, Signalwege, Kamera und Bildregie. Der Medientechniker verantwortet die Inhalte davor: Playback, Medienserver, Präsentationen, Konferenztechnik und Streaming. Bei kleinen Produktionen fällt beides zusammen.
Welche Medienserver sind in der Branche verbreitet?
Häufig eingesetzt werden disguise, Pixera, Watchout, Hippotizer und Pandoras Box. Timeline-basierte Systeme eignen sich für geplante Abläufe, cue-basierte Systeme lassen sich enger mit der Lichtsteuerung verbinden. Die Auswahl hängt von Produktion und Budget ab.
Welche Ausbildung braucht man als Medientechniker?
Einen geschützten Abschluss gibt es nicht. Üblich sind die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, Mediengestalter Bild und Ton oder ein Medientechnikstudium. Als Branchenqualifikation dient IGVW SQQ10 für Informations- und Kommunikationstechnik.
Gibt es in diesem Beruf Festanstellungen?
Ja, mehr als in vielen anderen Technikgewerken. Kongresszentren, Hochschulen, Behörden und große Unternehmen betreiben eigene Konferenz- und Medientechnik und besetzen diese Stellen dauerhaft. Daneben gibt es projektbezogene Buchungen bei Dienstleistern und Showproduktionen.