Was den Beruf ausmacht
Lichttechniker sind das ausführende Gewerk am Licht. Sie setzen um, was im Lichtplan steht: Scheinwerfer hängen, adressieren, verkabeln, fokussieren und im Betrieb am Laufen halten. Ihr Ergebnis ist eine Anlage, die pünktlich zum Soundcheck funktioniert und über die gesamte Veranstaltung stabil bleibt.
Die Rolle grenzt sich klar von den Nachbarrollen ab. Der Lichtdesigner entwirft Konzept und Plot, der Lichtoperator programmiert und fährt die Show am Pult, der Beleuchtungsspezialist nach IGVW SQQ12 weist eine zertifizierte Zusatzkompetenz nach. Lichttechniker arbeiten vor Ort an der Anlage selbst, oft im Team mit Rigging, Ton und Video.
Arbeitsumgebung
Gearbeitet wird in Hallen, Theatern, Clubs, Studios, auf Messeständen und auf Open-Air-Flächen. Arbeitgeber sind Verleihbetriebe für Veranstaltungstechnik, Produktionsfirmen, Veranstaltungshäuser, Messebauer und Theater. Ein erheblicher Teil der Einsätze wird freiberuflich oder über Personaldienstleister abgewickelt.
Der Arbeitsplatz wechselt zwischen Boden, Hubarbeitsbühne und Traverse. Höhenarbeit, Heben und Tragen sowie Arbeiten unter Zeitdruck gehören dazu. Persönliche Schutzausrüstung, Sicherheitsschuhe und eine dokumentierte Unterweisung sind Standard.
Arbeitszeiten
Der Tag folgt dem Produktionsplan: Aufbau am frühen Morgen, Einleuchten am Nachmittag, Show am Abend, Abbau in der Nacht. Wochenend- und Feiertagsarbeit ist die Regel, nicht die Ausnahme.
In der Messe- und Festivalsaison folgen Einsätze dicht aufeinander, dazwischen liegen ruhigere Wochen im Lager und in der Wartung. Auf Tourneen wechseln Showtage, Reisetage und Nachtfahrten über mehrere Wochen.
Typische Aufgaben
- Scheinwerfer, Traversenzüge und Dimmer nach Lichtplan positionieren, hängen und ausrichten
- Strom- und Datenwege legen: Powerdistros, Kabelwege, DMX-Strecken sowie Art-Net- und sACN-Netzwerke
- Geräte adressieren, in Betrieb nehmen und gegen den Patch des Pults gegenprüfen
- Scheinwerfer fokussieren und einleuchten, Gobos, Filter und Blenden setzen
- Anlage während Proben, Show und Sendung betreuen und ausgefallene Geräte tauschen
- Störungen an Geräten, Datenwegen und Stromversorgung unter Zeitdruck eingrenzen
- Abbau, Verladung, Sicht- und Funktionsprüfung sowie Rückführung ins Lager
- Gefährdungsbeurteilung umsetzen, Höhenarbeit sichern und Prüfungen dokumentieren
Anforderungen & Skills
- Praxis in der Veranstaltungstechnik, in der Regel über die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder mehrjährige Einsatzerfahrung
- Kenntnis gängiger Scheinwerfertypen: konventionelle Geräte, LED-Fluter, Moving Lights, Follow Spots
- Sicherer Umgang mit DMX 512, RDM, Art-Net und sACN sowie mit Nodes und Splittern
- Elektrotechnische Grundlagen; für eigenverantwortliche Arbeiten die Kompetenz der Elektrofachkraft nach IGVW SQQ1
- Kenntnis von DGUV Vorschrift 3, DGUV Vorschrift 17/18 und der Regeln zu optischer Strahlung bei LED- und Laserphosphor-Geräten
- Höhentauglichkeit nach G 41 sowie Schein für Hubarbeitsbühnen, häufig auch für Flurförderzeuge
- Körperliche Belastbarkeit und Bereitschaft zu Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit
- Reisebereitschaft und Führerschein, Englisch für internationale Produktionen
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Lichttechniker ist kein geregelter Ausbildungsberuf, einen geschützten Abschluss gibt es nicht. Die Bezeichnung ist ein Stellentitel, den Verleihbetriebe, Veranstaltungshäuser und Produktionsfirmen für das ausführende Lichtgewerk verwenden.
Der übliche Weg dorthin ist die dreijährige duale Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik mit anschließender Spezialisierung auf Licht. An Theatern kommen Beschäftigte häufig aus der Beleuchtungsabteilung und werden betrieblich angelernt.
Quereinstieg
Der Quereinstieg ist verbreitet und läuft meist über Stagehand-Einsätze, Clubs, Jugendbühnen oder ein Praktikum im Verleihbetrieb. Wer Kabelwege sauber legt, zügig arbeitet und mitdenkt, bekommt schnell Aufgaben am Gerät. Belastbar wird der Einstieg mit Höhentauglichkeit, Hubarbeitsbühnenschein und Elektro-Grundkenntnissen, weil diese Nachweise darüber entscheiden, welche Arbeiten übertragen werden dürfen.
Weiterbildung
Fachlich schließen die IGVW-Qualifikationen an: SQQ12.2 Lichtsystemtechnik für Aufbau und Netzwerkanbindung, SQQ12.1 Lichtsteuerung für den Weg zum Lichtoperator, SQQ1 für die Elektrofachkraft, SQQ2 für Rigging und SQQ10 für Netzwerktechnik.
Wer Verantwortung für ein Gewerk übernehmen will, macht den Meister für Veranstaltungstechnik, Fachrichtung Beleuchtung. Gestalterisch führt der Weg über Lichtdesign, teils über ein Studium der Lichtgestaltung.
Häufige Fragen
Was unterscheidet den Lichttechniker vom Lichtdesigner und vom Lichtoperator?
Der Lichtdesigner entwirft das Konzept und den Lichtplan. Der Lichtoperator programmiert die Cues und fährt die Show am Pult. Der Lichttechniker baut die Anlage auf, verkabelt und fokussiert sie und hält sie während der Veranstaltung am Laufen. Bei kleinen Produktionen übernimmt eine Person mehrere dieser Rollen.
Brauche ich eine Ausbildung als Lichttechniker?
Vorgeschrieben ist keine, die Bezeichnung ist nicht geschützt. Üblich ist die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Entscheidend für den Einsatz sind in der Praxis Höhentauglichkeit, Hubarbeitsbühnenschein und elektrotechnische Nachweise, weil sie festlegen, welche Arbeiten Ihnen übertragen werden dürfen.
Welche Nachweise sind für Höhenarbeit nötig?
Für Arbeiten in Traversen und auf Hubarbeitsbühnen verlangen Betriebe in der Regel die arbeitsmedizinische Vorsorge G 41 und eine Unterweisung nach DGUV Grundsatz 308-008 für Hubarbeitsbühnen. Für das Anschlagen von Lasten kommt die Sachkunde für Anschlagmittel hinzu.
Was verdient ein Lichttechniker?
Als Orientierung liegen Festanstellungen meist zwischen 32.000 und 48.000 Euro brutto im Jahr. Nach oben wirken Tarifbindung, Zusatzqualifikationen und Verantwortung im Gewerk. Freiberufliche Arbeit wird über Tagesgagen abgerechnet und lässt sich damit nicht direkt vergleichen.
Was ist IGVW SQQ12 und brauche ich das?
SQQ12 ist der Branchenstandard für Beleuchtungstechnik mit den Fachrichtungen Lichtsteuerung (SQQ12.1) und Lichtsystemtechnik (SQQ12.2). Pflicht ist er nicht. Er belegt aber vertiefte Kompetenz und ist für Lichttechniker der naheliegende nächste Schritt, besonders SQQ12.2.
Wie sind die Arbeitszeiten?
Der Tag richtet sich nach dem Produktionsplan: Aufbau früh, Einleuchten am Nachmittag, Show am Abend, Abbau in der Nacht. Wochenend- und Feiertagsarbeit gehört dazu, in der Saison folgen Einsätze dicht aufeinander.