Was den Beruf ausmacht
Konferenztechniker verantworten die Technik im Tagungssaal. Sie richten Beschallung, Mikrofone, Projektion oder LED-Wand, Rednerpult und Regieplatz ein, verkabeln Diskussions- und Abstimmungsanlagen und stellen die Dolmetschtechnik mit Kabinen, Kanälen und Empfängern bereit. Danach fahren sie die Veranstaltung von der Regie aus.
Ein großer Teil der Arbeit ist Gästekontakt: Referenten ansprechen, Mikrofone anlegen, Präsentationen entgegennehmen und prüfen, Zuspielungen bereitstellen und im Zweifel beruhigen. Hybridformate kommen hinzu, wenn Teilnehmer über Videokonferenz zugeschaltet werden und Bild, Ton und Rückkanal in beide Richtungen funktionieren müssen.
Abgrenzung zum Medientechniker
Der Medientechniker ist inhalts- und softwaregetrieben und verantwortet Medienserver, Playback und Content. Der Konferenztechniker verantwortet das Saalsystem: Beschallung, Signalwege, Konferenz- und Dolmetschanlage sowie den reibungslosen Ablauf mit Referenten. In kleinen Häusern deckt eine Person beides ab, in Kongresszentren sind die Rollen getrennt.
Vom Medientechniker unterscheidet ihn außerdem der Einsatzort: Konferenztechniker arbeiten überwiegend in Tagungshotels, Kongresszentren, Unternehmen und Behörden, oft parallel in mehreren Räumen desselben Hauses.
Arbeitsumgebung
Typische Arbeitgeber sind Kongress- und Tagungszentren, Tagungshotels, Veranstaltungsdienstleister für Firmenveranstaltungen, Systemhäuser für Medientechnik, Hochschulen, Behörden und Unternehmen mit eigenen Konferenzräumen. Ein Teil der Stellen ist an Festinstallationen gebunden, ein Teil an mobiles Equipment.
Der Arbeitsplatz wechselt zwischen Regieplatz im Saal, Technikraum, Foyer und Lager. Anders als bei Show- und Tourproduktionen sind Bühnenaufbauten kleiner, dafür ist die Zahl paralleler Räume und Wechsel höher.
Arbeitszeiten
Der Tag beginnt früh mit Aufbau, Technikcheck und Referentenbetreuung vor dem ersten Programmpunkt und endet nach dem Abendprogramm oder dem Abbau. Kongresse laufen mehrere Tage am Stück, Wochenendtermine sind verbreitet. In fest installierten Häusern und Unternehmen sind die Zeiten regelmäßiger als in der Showtechnik, mit Bereitschaft bei Abendveranstaltungen.
Typische Aufgaben
- Beschallung, Mikrofone, Projektion oder LED-Wand und Regieplatz im Tagungsraum aufbauen und einmessen
- Diskussions-, Abstimmungs- und Konferenzanlagen konfigurieren und Sprechstellen zuordnen
- Dolmetschtechnik einrichten: Kabinen, Sprachkanäle, Relais, Empfänger und Ausgabe an die Teilnehmer
- Präsentationen von Referenten annehmen, Formate prüfen und Zuspielungen bereitstellen
- Referenten und Moderation einweisen, Ansteckmikrofone anlegen und Ablaufwünsche aufnehmen
- Hybridzuschaltungen über Videokonferenzsysteme und Streaming einrichten, Rückkanal und Ton prüfen
- Veranstaltung von der Regie fahren, Mikrofonwege öffnen und schließen, Bildquellen umschalten
- Störungen im laufenden Programm eingrenzen und ohne Unterbrechung beheben, Raumwechsel und Umbauten zwischen Sessions umsetzen
Anforderungen & Skills
- Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik, Mediengestalter Bild und Ton oder vergleichbare technische Qualifikation
- Sichere Grundlagen in Beschallung, Videosignalwegen, Auflösungen und Schnittstellen wie HDMI, SDI und USB-C
- Erfahrung mit Konferenz-, Diskussions- und Dolmetschanlagen sowie Funkmikrofonen und Frequenzplanung
- IT- und Netzwerkkenntnisse, in der Branche häufig über die IGVW-Qualifikation SQQ10 nachgewiesen
- Kenntnis gängiger Videokonferenz- und Streamingplattformen und ihrer Audio- und Videoeinbindung
- Elektrotechnische Grundkenntnisse, für verantwortliche Aufbauten die Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik nach IGVW SQQ1
- Ausgeprägte Serviceorientierung und Ruhe im Umgang mit Referenten, Gästen und kurzfristigen Änderungen
- Gutes Englisch für internationale Kongresse und Herstellerdokumentation
- Bereitschaft zu frühem Dienstbeginn, Abendveranstaltungen, Wochenendterminen und gelegentlichen Reisen
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Konferenztechniker ist ein Stellentitel, kein Ausbildungsberuf. Einen geschützten Abschluss mit diesem Namen gibt es nicht.
Der übliche Weg ist die dreijährige duale Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik, die Ton, Licht, Video und Sicherheitsrecht abdeckt. Ebenfalls verbreitet sind Mediengestalter Bild und Ton, Elektroniker für Geräte und Systeme sowie Studiengänge der Medien- und Veranstaltungstechnik.
Quereinstieg
Der Quereinstieg ist gut möglich und in diesem Feld häufiger als in der Showtechnik. Viele kommen aus dem Konferenz- und Bankettservice von Hotels, aus der IT, aus dem Hausmeister- und Facility-Bereich von Kongresshäusern oder aus der Musikpraxis. Der Einstieg gelingt über Aushilfstätigkeiten im Tagungsbetrieb und über Assistenzen bei Dienstleistern.
Ohne elektrotechnische Qualifikation bleiben die Tätigkeiten auf Bedienung und einfache Aufbauten begrenzt. Wer Anschlüsse und Verteilungen verantworten will, braucht die Qualifikation als Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik.
Weiterbildung
Der Branchenstandard für dieses Feld ist IGVW SQQ10 für Informations- und Kommunikationstechnik in der Veranstaltungstechnik, ein Lehrgang von rund 121 Zeitstunden auf DQR-Niveau 4. Ergänzend sind IGVW SQQ1 als Elektrofachkraft, Herstellerzertifikate für Konferenz-, Dolmetsch- und Videokonferenzsysteme sowie Zertifikate aus der professionellen AV-Branche verbreitet.
Für den Aufstieg bieten sich die Leitung der Haustechnik eines Kongresszentrums, die Projektleitung bei einem Dienstleister oder der Meister für Veranstaltungstechnik an. Auch der Wechsel in Medientechnik, Systemintegration oder technischen Vertrieb ist üblich.
Häufige Fragen
Was macht ein Konferenztechniker genau?
Er baut die Technik eines Tagungsraums auf und betreibt sie: Beschallung, Mikrofone, Projektion, Diskussions- und Abstimmungsanlagen sowie Dolmetschtechnik. Während des Programms fährt er die Veranstaltung von der Regie, betreut Referenten und behebt Störungen ohne Unterbrechung.
Worin unterscheidet sich der Konferenztechniker vom Medientechniker?
Der Medientechniker verantwortet Inhalte und Wiedergabesysteme, also Medienserver, Playback und Content. Der Konferenztechniker verantwortet das Saalsystem mit Beschallung, Signalwegen, Konferenz- und Dolmetschanlage sowie die Betreuung der Referenten. In kleinen Häusern liegt beides in einer Hand.
Welche Qualifikation brauche ich?
Einen geschützten Abschluss gibt es nicht. Üblich sind die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder Mediengestalter Bild und Ton. Als Branchenqualifikation dient IGVW SQQ10 für Informations- und Kommunikationstechnik, für Elektroverantwortung zusätzlich IGVW SQQ1.
Was ist der IGVW-Standard SQQ10?
SQQ10 ist der Qualifikationsstandard der Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft für Informations- und Kommunikationstechnik. Der Lehrgang umfasst rund 121 Zeitstunden und liegt auf Niveau 4 des Deutschen Qualifikationsrahmens. Er richtet sich an Fachkräfte für Veranstaltungstechnik und an Quereinsteiger mit Berufserfahrung.
Gibt es in diesem Bereich Festanstellungen?
Ja, mehr als in der Show- und Tourtechnik. Kongresszentren, Tagungshotels, Hochschulen, Behörden und große Unternehmen betreiben eigene Konferenztechnik dauerhaft und besetzen diese Stellen fest. Daneben gibt es projektbezogene Einsätze bei Veranstaltungsdienstleistern.
Wie anspruchsvoll ist Dolmetschtechnik?
Der Aufbau ist überschaubar, die Fehlertoleranz aber gering. Kabinen, Sprachkanal-Zuordnung, Relaisschaltungen und die Ausgabe der Empfänger an die Teilnehmer müssen vor Programmbeginn stimmen, weil Korrekturen im laufenden Vortrag kaum möglich sind. Erfahrung mit Dolmetschanlagen ist deshalb ein deutliches Einstellungsplus.