Was den Beruf ausmacht
Die Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft ist ein anerkannter IHK-Fortbildungsabschluss, den es seit 2006 gibt. Er richtet sich an Menschen, die bereits im Sicherheitsgewerbe arbeiten und mehr Verantwortung übernehmen wollen, ohne gleich den Meister anzustreben. Im Veranstaltungsbetrieb bedeutet das: Sie führen eine Gruppe von Ordnungs- und Einlasskräften, teilen Posten ein und entscheiden vor Ort, wenn eine Lage vom Plan abweicht.
Fachlich geht die Fortbildung deutlich über die Sachkundeprüfung nach Paragraf 34a der Gewerbeordnung hinaus. Geprüft werden Rechtskunde, Dienstkunde, Gefahrenabwehr und Sicherheitstechnik sowie sicherheits- und serviceorientiertes Verhalten. Gerade das letzte Feld ist bei Veranstaltungen zentral, weil Sicherheitskräfte dort zugleich Gastgeber und Ordnungsdienst sind.
Arbeitsumgebung
Typische Einsatzorte sind Arenen, Stadien, Messegelände, Festivalflächen, Clubs, Theater und Kongresszentren. Dazu kommen Objektschutz und Werkschutz zwischen den Veranstaltungen, etwa an Produktionsstandorten oder Logistikzentren. Ein großer Teil der Arbeit findet im Freien und im Publikumskontakt statt, oft bei Lärm, Wetter und hoher Personendichte.
Auftraggeber sind meist Sicherheitsdienstleister, die im Auftrag von Veranstaltern, Hallenbetreibern oder Kommunen arbeiten. Sie stehen dabei in ständigem Austausch mit Veranstaltungsleitung, Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst.
Arbeitszeiten
Die Arbeitszeiten folgen dem Veranstaltungskalender, nicht dem Bürorhythmus. Abend-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sind die Regel, Schichten von zehn Stunden und mehr bei Großveranstaltungen keine Seltenheit.
Viele Betriebe arbeiten mit Schichtplänen, die kurzfristig angepasst werden. Wer im Objektschutz eingesetzt ist, hat oft planbarere Wechselschichten als im reinen Veranstaltungsdienst.
Typische Aufgaben
- Sicherheitskräfte einer Schicht einteilen, einweisen und während des Dienstes führen
- Einlasskontrollen, Taschenkontrollen und Akkreditierungsprüfung organisieren und überwachen
- Besucherströme an Toren, Wegen und Engstellen beobachten und Rückstaus melden
- Sicherheitskonzept, Flucht- und Rettungswege sowie Brandschutzauflagen im laufenden Betrieb durchsetzen
- Bei Konflikten deeskalierend eingreifen und das Hausrecht rechtssicher durchsetzen
- Sicherheitstechnik bedienen: Videoanlagen, Zutrittssysteme, Funk, Melde- und Alarmtechnik
- Vorfälle dokumentieren, Meldeketten auslösen und mit Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst abstimmen
- Räumungs- und Evakuierungsanweisungen umsetzen und die eigene Gruppe dabei koordinieren
Anforderungen & Skills
- Zulassung zur Prüfung über eine abgeschlossene Berufsausbildung plus etwa zwei Jahre Berufspraxis in der Sicherheitswirtschaft oder über eine längere einschlägige Praxis
- Sachkunde nach Paragraf 34a der Gewerbeordnung sowie Zuverlässigkeitsüberprüfung und einwandfreies Führungszeugnis
- Sicheres Rechtswissen: Straf- und Strafprozessrecht, Bürgerliches Recht, Gewerberecht, Datenschutz, Waffenrecht
- Kenntnis der Versammlungsstättenverordnung, der Sicherheitskonzepte und der Brandschutzauflagen von Veranstaltungen
- Deeskalation, klare Kommunikation und Durchsetzungsfähigkeit auch unter Druck und bei alkoholisiertem Publikum
- Erste Hilfe, Grundlagen des Brandschutzes und Umgang mit Melde- und Funktechnik
- Bereitschaft zu Schicht-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst sowie zu Reisen zu Tourneestationen
- Deutsch sicher in Wort und Schrift, Englisch für internationales Publikum und Tourneecrews von Vorteil
- Körperliche Belastbarkeit für lange Standzeiten und Außeneinsätze
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Die Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft ist keine Erstausbildung, sondern eine bundeseinheitlich geregelte Fortbildungsprüfung der Industrie- und Handelskammern. Der übliche Weg dorthin führt über die zweijährige Ausbildung zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit oder über mehrjährige Praxis im Bewachungsgewerbe. Vorbereitungslehrgänge dauern je nach Anbieter und Format rund ein Jahr berufsbegleitend oder wenige Monate in Vollzeit.
Geprüft werden vier Bereiche: Rechtskunde, Dienstkunde, Gefahrenabwehr und Einsatz von Sicherheitstechnik sowie sicherheits- und serviceorientiertes Verhalten und Handeln. Zur Prüfung gehört ein situationsbezogenes Fachgespräch.
Quereinstieg
Der Quereinstieg ist ausdrücklich vorgesehen und war der Anlass für die Einführung des Abschlusses. Wer aus einem anderen Beruf kommt, startet in der Regel mit der Sachkundeprüfung nach Paragraf 34a der Gewerbeordnung und sammelt Praxis im Einlass-, Ordnungs- und Objektschutzdienst. Nach genügend Berufsjahren lässt sich diese Erfahrung über die IHK-Prüfung formal nachweisen.
Für die Veranstaltungsbranche ist dieser Weg verbreitet, weil viele Kräfte zunächst nebenberuflich im Ordnungsdienst anfangen. Ein Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters kann die Lehrgangskosten übernehmen.
Weiterbildung
Direkt aufbauend ist der Meister für Schutz und Sicherheit, der Planung und Leitung ganzer Sicherheitsdienste abdeckt. Für den Veranstaltungsbereich lohnen zusätzlich Zertifikatslehrgänge zur Fachkraft für Veranstaltungssicherheit und zum Crowd Manager, etwa bei IBIT oder anderen Branchenanbietern.
Wer Ausbildungsverantwortung übernehmen will, ergänzt die Ausbildereignung nach AEVO. Wer Richtung Führung und Verwaltung geht, kann später den Geprüften Betriebswirt anschließen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zur Sachkundeprüfung nach § 34a GewO?
Die Sachkundeprüfung nach Paragraf 34a der Gewerbeordnung ist der gesetzliche Mindestnachweis, um überhaupt bewachen zu dürfen. Die Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft ist ein vollwertiger Fortbildungsabschluss der IHK mit deutlich größerem Umfang. Sie qualifiziert für operative Führungsaufgaben, nicht nur für die reine Ausübung der Tätigkeit.
Welche Voraussetzungen brauche ich für die Prüfung?
Üblich ist eine abgeschlossene Berufsausbildung plus rund zwei Jahre Praxis in der Sicherheitswirtschaft. Alternativ genügt eine längere einschlägige Berufspraxis von etwa fünf Jahren, davon der überwiegende Teil im Sicherheitsbereich. Die genauen Bedingungen legt die zuständige IHK fest, fragen Sie dort vor der Anmeldung nach.
Wie lange dauert die Vorbereitung?
Berufsbegleitende Lehrgänge laufen meist rund ein Jahr. In Vollzeit sind kompakte Formate von wenigen Monaten möglich, die häufig über einen Bildungsgutschein gefördert werden. Die Prüfung selbst legen Sie bei der IHK ab.
Lohnt sich der Abschluss für die Eventbranche?
Ja, wenn Sie über den einfachen Ordnungsdienst hinauswollen. Veranstalter und Sicherheitsdienstleister besetzen Schicht-, Posten- und Bereichsleitungen bevorzugt mit geprüften Kräften, weil die Verantwortung für Einlass, Besucherlenkung und Räumung rechtlich heikel ist. Der Abschluss ist zudem die Vorstufe zum Meister für Schutz und Sicherheit.
Auf welchem DQR-Niveau liegt der Abschluss?
Die Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft ist dem Niveau 5 des Deutschen Qualifikationsrahmens zugeordnet. Das liegt über der dreijährigen dualen Ausbildung auf Niveau 4 und unter Meister- und Fachwirtabschlüssen auf Niveau 6.