Zertifikatslehrgang / Weiterbildung mehrwöchiger Lehrgang, rund 27 Lehrgangstage

Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik

Auch bekannt als: Elektrofachkraft Veranstaltungstechnik · Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik nach SQQ1 · EFK Veranstaltungstechnik · SQQ1 · Fachkraft mobile Stromversorgung · Electrician Live Events · Event Electrician · Power Technician

Die Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik nach IGVW SQQ1 darf mobile elektrische Anlagen von Veranstaltungen planen, errichten, betreiben und prüfen. Der Nachweis ist die branchenübliche Grundlage dafür, dass Betriebe ihre Auswahlpflicht nach DGUV Vorschrift 3 erfüllen und Strom auf Bühnen, Messen und Festivals rechtssicher verteilt wird.

Was die Qualifikation ausmacht

Die Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik ist keine eigene Berufsausbildung, sondern ein Kompetenznachweis nach dem Branchenstandard IGVW SQQ1. Wer ihn besitzt, gilt für das Arbeitsgebiet der mobilen Veranstaltungselektrik als vollwertige Elektrofachkraft. Sie dürfen elektrische Anlagen selbstständig planen, errichten, ändern, in Betrieb nehmen und prüfen.

Hintergrund ist die Auswahlpflicht des Unternehmens nach DGUV Vorschrift 3 für elektrische Anlagen und Betriebsmittel. Der Betrieb muss belegen können, dass er Elektroarbeiten nur fachlich geeigneten Personen überträgt. SQQ1 beschreibt dafür die Mindestkompetenz und ist unter Mitwirkung der Berufsgenossenschaften entstanden. Ohne diesen oder einen gleichwertigen Nachweis darf niemand Stromverteilung, Anschlüsse und Prüfungen auf einer Veranstaltung eigenverantwortlich übernehmen.

Arbeitsumgebung

Gearbeitet wird an temporären Anlagen: Hauptverteiler am Hausanschluss oder am mobilen Stromerzeuger, Unterverteilungen, Kabelwege über Publikums- und Verkehrsflächen sowie der Anschluss von Licht-, Ton- und Videotechnik. Maßgeblich sind DIN VDE 0100-711 für Ausstellungen, Shows und Stände sowie DGUV Vorschrift 17/18 für Veranstaltungs- und Produktionsstätten.

Typische Einsatzorte sind Messehallen, Festivalgelände, Theater, Fernsehstudios, Arenen und Kongresszentren. Die Anlage wird jedes Mal neu aufgebaut, geprüft und wieder zurückgebaut. Wetter, enge Zeitfenster und wechselnde Gebäudetechnik gehören zum Alltag.

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten folgen dem Produktionsablauf. Aufbau und Prüfung liegen oft früh am Morgen oder in der Nacht, Abbau direkt nach der Veranstaltung. Wochenend-, Feiertags- und Schichtarbeit sind die Regel, ebenso Reisetätigkeit bei Tourneen und Messen.

Gültigkeit und Kosten

SQQ1 kennt keine gesetzlich festgelegte Ablauffrist. Fachlich trägt der Nachweis nur so lange, wie Sie im Arbeitsgebiet tätig bleiben und Ihr Wissen aktuell halten. Bildungsträger bieten dafür Refresher-Lehrgänge an, die viele Betriebe im Abstand weniger Jahre verlangen.

Der vollständige Lehrgang umfasst bei gängigen Anbietern rund 27 Lehrgangstage und kostet etwa 2.600 bis 3.200 Euro. Viele Angebote sind AZAV-zertifiziert und über Bildungsgutschein, Qualifizierungschancengesetz oder das Programm KOMPASS für Solo-Selbstständige förderfähig.

Typische Aufgaben

  • Mobile Stromversorgung für Veranstaltungen planen, dimensionieren und dokumentieren
  • Haupt- und Unterverteilungen aufbauen, anschließen und gegen unbefugten Zugriff sichern
  • Mobile Stromerzeuger einbinden, Netzform und Schutzmaßnahmen festlegen
  • Schutzmaßnahmen prüfen: Schleifenimpedanz, RCD-Auslösung, Isolationswiderstand, Durchgängigkeit
  • Anlage vor Inbetriebnahme prüfen und das Ergebnis nach DGUV Vorschrift 3 dokumentieren
  • Ortsveränderliche Betriebsmittel wie Kabel, Verteiler und Geräte wiederkehrend prüfen
  • Störungen und Fehler im laufenden Betrieb eingrenzen und sicher beheben
  • Kollegen unterweisen und Elektrolaien bei zulässigen Tätigkeiten anleiten

Anforderungen & Skills

  • Nachweis von rund 800 Stunden praktischer Tätigkeit unter Aufsicht einer Elektrofachkraft, üblicherweise innerhalb der letzten drei Jahre
  • Gültige Erste-Hilfe-Ausbildung, bei vielen Anbietern nicht älter als zwei Jahre
  • Sichere Grundlagen in Elektrotechnik, Rechnen und Messtechnik
  • Kenntnis von DGUV Vorschrift 3, DGUV Vorschrift 17/18, DIN VDE 0100-711 und der Reihe DIN VDE 0100
  • Erfahrung mit Veranstaltungsabläufen, Rider-Anforderungen und den Gewerken Licht, Ton und Video
  • Sorgfalt und Dokumentationsdisziplin, weil Prüfergebnisse nachweispflichtig sind
  • Belastbarkeit für Schichtarbeit, Nachtaufbauten und Reisetätigkeit
  • Englischkenntnisse für internationale Produktionen und Gerätedokumentation
  • Führerschein Klasse B, häufig auch Erfahrung mit Hubarbeitsbühnen

Ausbildung & Einstieg

Ausbildung

Einen geregelten Ausbildungsberuf mit dieser Bezeichnung gibt es nicht. Es handelt sich um einen Zertifikatslehrgang nach dem Branchenstandard IGVW SQQ1, den Bildungsträger der Veranstaltungswirtschaft anbieten. Der Lehrgang gliedert sich in Module zu Messgrößen, Stromversorgung und Schutzmaßnahmen, Mess- und Prüftechnik sowie Inbetriebnahme und Anlagenprüfung und schließt mit schriftlicher Prüfung, praktischer Prüfung und Fachgespräch ab.

Wer eine elektrotechnische Ausbildung abgeschlossen hat, etwa als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, ist bereits Elektrofachkraft. SQQ1 richtet sich vor allem an Menschen aus der Veranstaltungstechnik, die diese Kompetenz für mobile Anlagen erwerben wollen.

Quereinstieg

Der übliche Weg führt über die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder über mehrjährige Praxis in Rental-, Produktions- und Veranstaltungsbetrieben. Entscheidend ist der Nachweis der begleiteten Praxisstunden unter einer Elektrofachkraft. Ohne diesen Nachweis lassen seriöse Anbieter niemanden zur Prüfung zu.

Weiterbildung

Aufbauend kommen das Erweiterungsmodul mobile Stromerzeuger, die Befähigung zur Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel und die Sachkunde für Informations- und Kommunikationstechnik nach IGVW SQQ10 in Frage. Wer Führungsverantwortung anstrebt, geht weiter zum Meister für Veranstaltungstechnik oder zum Studium Theater- und Veranstaltungstechnik. Für Beleuchtungssysteme setzt IGVW SQQ12.2 die Kompetenz der Elektrofachkraft nach SQQ1 ausdrücklich voraus.

Häufige Fragen

Ist die Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik ein Ausbildungsberuf?

Nein. Es handelt sich um einen Kompetenznachweis nach dem Branchenstandard IGVW SQQ1, nicht um einen Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Der Nachweis wird in einem mehrwöchigen Lehrgang mit Prüfung erworben und ergänzt eine bestehende Qualifikation, meist die Fachkraft für Veranstaltungstechnik.

Was darf ich mit SQQ1, was ohne?

Mit SQQ1 dürfen Sie mobile elektrische Anlagen der Veranstaltungstechnik eigenverantwortlich planen, errichten, in Betrieb nehmen und prüfen. Ohne diesen oder einen gleichwertigen Nachweis dürfen Sie nur unter Aufsicht einer Elektrofachkraft arbeiten oder auf klar abgegrenzte Tätigkeiten für elektrotechnisch unterwiesene Personen beschränkt eingesetzt werden.

Wie lange dauert der Lehrgang und was kostet er?

Gängige Lehrgänge umfassen rund 27 Lehrgangstage, verteilt über mehrere Wochen und Module. Die Kosten liegen je nach Anbieter und Standort etwa zwischen 2.600 und 3.200 Euro. Viele Angebote sind AZAV-zertifiziert und über Bildungsgutschein, Qualifizierungschancengesetz oder KOMPASS förderfähig.

Welche Voraussetzungen muss ich für die Zulassung erfüllen?

Anbieter verlangen in der Regel den Nachweis von rund 800 Stunden praktischer Tätigkeit unter Aufsicht einer Elektrofachkraft innerhalb der letzten drei Jahre sowie eine aktuelle Erste-Hilfe-Ausbildung. Solide Grundlagen in Elektrotechnik und Messtechnik erleichtern den Einstieg deutlich.

Läuft der Nachweis ab?

Eine feste gesetzliche Ablauffrist gibt es nicht. Die Kompetenz muss aber aktuell bleiben, weil sich Normen und Prüfverfahren ändern. Viele Betriebe verlangen deshalb im Abstand weniger Jahre einen Refresher-Lehrgang und regelmäßige Praxis im Arbeitsgebiet.

Welche Regelwerke sind für die Arbeit maßgeblich?

Zentral sind DGUV Vorschrift 3 für elektrische Anlagen und Betriebsmittel, DGUV Vorschrift 17/18 für Veranstaltungs- und Produktionsstätten sowie DIN VDE 0100-711 für Ausstellungen, Shows und Stände. Hinzu kommen die allgemeinen Teile der Normenreihe DIN VDE 0100 und die Prüfregeln der Berufsgenossenschaften.

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