Was den Beruf ausmacht
CAD-Planer übersetzen eine Veranstaltungsidee in maßhaltige Pläne. Sie zeichnen den Grundriss der Spielstätte, setzen Bühne, Traversen, Podeste, Bestuhlung und Technik hinein und legen fest, wo welcher Hängepunkt sitzt. Aus dem Modell entstehen Aufbaupläne, Schnitte, Ansichten sowie Stück- und Punktlastlisten.
Gearbeitet wird überwiegend mit Vectorworks, häufig mit dem Modul Spotlight für Veranstaltungstechnik, sowie mit AutoCAD. Für Vorvisualisierung und Sichtlinienprüfung kommen 3D-Werkzeuge dazu. Der Plan ist kein Selbstzweck: Statik, Behörde, Hallenbetreiber und Aufbaucrew arbeiten damit weiter.
Arbeitsumgebung
Der Arbeitsplatz ist meist das Büro eines Veranstaltungstechnik-Dienstleisters, einer Agentur, eines Messebauers oder eines Veranstaltungsorts. Dazu kommen Ortstermine zum Aufmaß und Besuche auf der Baustelle während des Aufbaus.
Die Rolle sitzt an einer Schnittstelle und arbeitet mit Projektleitung, Rigging, Licht- und Videodesign, Statik, Brandschutz und Genehmigungsbehörde zusammen. Änderungen kommen oft spät und müssen sauber durch alle Pläne gezogen werden.
Arbeitszeiten
Der größte Teil der Arbeit läuft in Bürozeiten, allerdings mit deutlichen Spitzen vor Projektstart und in der Hauptsaison. Überstunden vor Abgabeterminen sind üblich.
Während des Aufbaus ändert sich der Takt: Vor Ort wird nachgemessen, angepasst und neu ausgegeben, dann auch abends und am Wochenende. Viele Planer sind fest angestellt, freiberufliche Planung ist ebenfalls verbreitet.
Typische Aufgaben
- Bestandspläne und Aufmaße der Spielstätte einlesen, prüfen und in CAD aufbereiten
- Grundrisse, Schnitte und Ansichten mit Bühne, Publikum, Technik und Wegen zeichnen
- Hänge- und Riggingpläne mit Punkten, Lasten und Kettenzügen erstellen
- Punktlasten ermitteln und für Statik und Hallenbetreiber aufbereiten
- Bestuhlungs-, Flucht- und Rettungswegpläne nach den Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung anlegen
- 3D-Modelle und Visualisierungen bauen sowie Sichtlinien und Kollisionen prüfen
- Stück-, Material- und Kabellisten aus dem Modell ableiten
- Planstände versionieren, verteilen und Änderungen mit allen Gewerken abgleichen
Anforderungen & Skills
- Sicherer Umgang mit Vectorworks, idealerweise mit Spotlight, oder mit AutoCAD
- Räumliches Vorstellungsvermögen und sauberes, normgerechtes Zeichnen
- Kenntnis von Bühnen-, Rigging- und Traversentechnik sowie der gängigen Lastannahmen
- Grundverständnis von Statik und ein klares Gefühl für die Grenzen der eigenen Zuständigkeit
- Kenntnis der Versammlungsstättenverordnung und der Anforderungen an Flucht- und Rettungswege
- Erfahrung mit 3D-Visualisierung und Vorvisualisierung von Vorteil
- Genauigkeit, Termintreue und die Fähigkeit, späte Änderungen strukturiert einzupflegen
- Bereitschaft zu Ortsterminen und zeitweiser Präsenz auf der Baustelle
- Deutsch sicher, Englisch für internationale Produktionen und Herstellerunterlagen
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Einen eigenen Ausbildungsberuf CAD-Planer Veranstaltungstechnik gibt es nicht. Zwei Wege sind üblich: die duale Ausbildung zum Technischen Systemplaner oder Technischen Produktdesigner, die drei bis dreieinhalb Jahre dauert und das normgerechte Zeichnen von Grund auf vermittelt, oder die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik mit anschließender CAD-Vertiefung.
Ebenfalls verbreitet sind Studiengänge wie Veranstaltungstechnik, Theater- und Veranstaltungstechnik oder Medientechnik. Sie liefern Statikgrundlagen und Planungsmethodik und führen häufig direkt in die technische Planung.
Quereinstieg
Der Quereinstieg gelingt am ehesten aus der Praxis. Wer als Techniker, Rigger oder Projektleiter gearbeitet hat, kennt Material, Lasten und Abläufe und muss vor allem die Software lernen. Umgekehrt fehlt reinen Zeichnern oft das Gefühl für den Aufbau vor Ort, weshalb Betriebe bewusst Baustellenzeit einplanen.
Weiterbildung
Naheliegend sind zertifizierte Vectorworks- und AutoCAD-Schulungen, Trainings zu Braceworks für die Vorbemessung von Traversen sowie Kurse zur Vorvisualisierung. Fachlich weiter führen die Sachkunde Rigging und Weiterbildungen zur Veranstaltungssicherheit. Als Aufstieg bieten sich der Meister für Veranstaltungstechnik, die Weiterbildung zum Techniker oder ein Studium der Veranstaltungstechnik an.
Häufige Fragen
Welche Software muss ich beherrschen?
In der Veranstaltungstechnik ist Vectorworks mit dem Modul Spotlight der Standard, in Messebau und Architekturumfeld kommt häufig AutoCAD dazu. Für Vorvisualisierung und Sichtlinien werden 3D-Werkzeuge genutzt, für die Vorbemessung von Traversen das Zusatzmodul Braceworks. Betriebe erwarten meist sicheren Umgang mit einem System und die Bereitschaft, das zweite zu lernen.
Brauche ich eine Ausbildung für diese Rolle?
Einen geschützten Abschluss mit diesem Titel gibt es nicht. Üblich sind die Ausbildung zum Technischen Systemplaner, die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik mit CAD-Vertiefung oder ein Studium der Veranstaltungstechnik. Entscheidend sind Softwarekenntnisse und Verständnis für Bühnen- und Riggingtechnik.
Darf ein CAD-Planer die Statik berechnen?
Nein. CAD-Planer bereiten Geometrie, Hängepunkte und Lasten auf und können mit Software eine Vorbemessung durchführen. Den prüffähigen Nachweis erstellt ein Tragwerksplaner oder Prüfingenieur. Diese Grenze sauber zu ziehen gehört zur Aufgabe.
Was ist ein Riggingplan?
Ein Riggingplan zeigt, wo im Dach oder in der Traversenkonstruktion welche Lasten hängen. Er enthält Hängepunkte, Kettenzüge, Punktlasten und die Zuordnung zu den Gewerken. Hallenbetreiber und Statiker prüfen anhand dieses Plans, ob die Konstruktion die Lasten aufnehmen kann.
Wie steige ich quer ein?
Am leichtesten aus der Praxis: Wer als Techniker, Rigger oder Projektleiter gearbeitet hat, kennt Material und Abläufe und lernt vor allem die Software. Hilfreich sind zertifizierte Vectorworks-Schulungen und erste eigene Pläne für kleinere Projekte. Betriebe achten stärker auf Arbeitsproben als auf Zeugnisse.
Was verdient ein CAD-Planer in der Veranstaltungstechnik?
Festanstellungen liegen grob zwischen 36.000 und 54.000 Euro brutto im Jahr. Das ist eine Orientierung und kein Tarifwert; Region, Betriebsgröße und Verantwortungsumfang wirken stark. Wer zusätzlich Rigging- und Statikwissen mitbringt oder Projekte eigenverantwortlich plant, liegt am oberen Rand.