Duale Ausbildung 3 Jahre

Bühnenmaler und Bühnenplastiker

Auch bekannt als: Bühnenmalerin und Bühnenplastikerin · Bühnenmaler · Bühnenplastiker · Theatermaler · Dekorationsmaler · Kulissenmaler · Scenic Artist · Prop Maker · Set Painter

Bühnenmaler und Bühnenplastiker bauen und bemalen die sichtbare Welt einer Produktion. Sie fertigen Kulissen, Prospekte, Requisiten und plastische Dekorationen für Theater, Oper, Show, Film und große Eventinszenierungen — nach den Entwürfen des Bühnenbilds.

Was den Beruf ausmacht

Bühnenmaler und Bühnenplastiker übersetzen einen Bühnenbildentwurf in gebaute und bemalte Realität. In der Fachrichtung Malerei entstehen Prospekte, also große bemalte Stoffbahnen, sowie Wandflächen, Böden und Oberflächen in Illusionstechnik. In der Fachrichtung Plastik entstehen dreidimensionale Objekte aus Styropor, Holz, Draht, Gips, Kunststoff und Textilien. Beide Richtungen arbeiten oft am selben Objekt: erst modelliert, dann gefasst und bemalt.

Kernkompetenz ist die Illusion. Holzmaserung, Marmor, Rost, Stein, Alter und Verfall werden so aufgetragen, dass sie unter Bühnen- oder Kameralicht und aus Zuschauerentfernung echt wirken. Dazu kommen Maßstabsübertragung vom Modell auf mehrere Meter Fläche und Materialkenntnis, weil Bühnenteile leicht, transportabel und schwer entflammbar sein müssen. In Eventproduktionen sind es Themenwelten, Messeinszenierungen und Showdekorationen statt klassischer Kulissen.

Arbeitsumgebung

Hauptarbeitsort ist der Malsaal beziehungsweise die Plastikerwerkstatt der Theater-, Opern- und Musicalhäuser. Große Häuser haben eigene Werkstätten, daneben arbeiten viele Betriebe als Dienstleister für Film, Fernsehen, Freizeitparks, Messebau und Eventagenturen. Gearbeitet wird häufig liegend auf dem Boden oder an Malwänden, mit Farben, Lösungsmitteln, Stäuben und großen Formaten. Absaugung, Schutzausrüstung und Gefahrstoffkenntnis gehören zum Alltag.

Der zweite Ort ist die Bühne selbst. Bei der Bauprobe und beim Einrichten wird vor Ort korrigiert, nachgemalt und angepasst, teilweise über Hubarbeitsbühnen oder Leitern. Bei Tourneen, Messen und Open-Air-Produktionen kommt Montagearbeit auf wechselnden Baustellen dazu.

Arbeitszeiten

In der Werkstatt gelten meist geregelte Tagesarbeitszeiten. Vor Premieren, Bauproben und Messeeröffnungen wird der Rhythmus enger, dann sind Abend- und Wochenendarbeit üblich. Der Betrieb folgt dem Spielzeit- und Produktionsplan des Hauses.

In der freien Wirtschaft und bei Film- und Eventproduktionen wird projektweise gearbeitet. Auf intensive Bauphasen mit langen Tagen folgen ruhigere Abschnitte, freiberufliche Kräfte rechnen über Tages- oder Wochensätze ab.

Typische Aufgaben

  • Bühnenbildentwürfe und Modelle lesen und maßstabsgetreu auf Bühnenmaß übertragen
  • Prospekte, Wandelemente, Böden und Kulissenflächen grundieren und in Illusionstechnik bemalen
  • Oberflächen imitieren: Holzmaserung, Marmor, Stein, Metall, Rost, Patina und Alterung
  • Plastische Objekte aus Styropor, Holz, Draht, Gips, Kunststoff und Textil modellieren und abformen
  • Requisiten, Skulpturen, Themendekorationen und Ausstattungsteile anfertigen und fassen
  • Farben und Lasuren mischen, Rezepturen dokumentieren und Materialien nach Brandschutzanforderung auswählen
  • Dekorationen bei Bauprobe und Einrichtung auf der Bühne anpassen und nachbessern
  • Bestehende Dekorationen für Wiederaufnahmen, Gastspiele und Tourneen instand setzen

Anforderungen & Skills

  • Abgeschlossene Ausbildung als Bühnenmaler und Bühnenplastiker oder vergleichbare gestalterisch-handwerkliche Qualifikation
  • Zeichnerisches Können, sicheres Farbverständnis und Gefühl für Proportion und Perspektive
  • Beherrschen der Maßstabsübertragung vom Modell auf große Flächen
  • Kenntnis von Farben, Bindemitteln, Kunststoffen und deren Verarbeitung sowie der Gefahrstoffvorgaben
  • Grundverständnis für Brandschutzanforderungen an Dekorationen und Ausstattungsmaterial
  • Körperliche Belastbarkeit, Schwindelfreiheit und sicherer Umgang mit Leitern und Hubarbeitsbühnen
  • Teamfähigkeit und enge Abstimmung mit Bühnenbild, Tischlerei, Schlosserei und Beleuchtung
  • Bereitschaft zu Abend- und Wochenendarbeit vor Premieren sowie zu Montageeinsätzen
  • Deutsch sicher, Englisch hilfreich bei internationalen Produktionen

Ausbildung & Einstieg

Ausbildung

Bühnenmaler und Bühnenplastiker ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Die duale Ausbildung dauert drei Jahre und findet in Theaterwerkstätten oder spezialisierten Betrieben statt, ergänzt durch Blockunterricht an wenigen Berufsschulstandorten. Ab dem dritten Ausbildungsjahr wird zwischen den Fachrichtungen Malerei und Plastik gewählt. Der Abschluss entspricht Niveau 4 des Deutschen Qualifikationsrahmens.

Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben, die Betriebe wählen aber vor allem nach gestalterischer Eignung aus. Üblich sind eine Mappe mit eigenen Arbeiten und ein Probearbeiten in der Werkstatt. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist bundesweit sehr klein, eine überregionale Bewerbung ist deshalb die Regel.

Quereinstieg

In Theaterwerkstätten und im Messe- und Themenbau arbeiten auch Menschen aus verwandten Berufen. Naheliegend sind Maler und Lackierer, Stuckateure, Bildhauer, Modellbauer und Absolventen künstlerischer Studiengänge. Ohne den Abschluss werden Sie meist zunächst als Hilfskraft oder Assistenz eingesetzt und im Betrieb angelernt. Für feste Stellen an Häusern und für die Werkstattleitung wird der anerkannte Abschluss oder ein gleichwertiger Nachweis erwartet.

Weiterbildung

Übliche Wege sind der Techniker Farb- und Lacktechnik, der Gestalter im Handwerk und Spezialisierungen in Vergoldung, Restaurierung oder Kunststofftechnik. Für die Veranstaltungswirtschaft lohnen sich Zusatznachweise für Hubarbeitsbühnen, Gefahrstoffe und Ladungssicherung. Aufstiegsziele sind Vorarbeit, Malsaalvorstand und Werkstattleitung. Mit Fachhochschulreife oder über eine Eignungsprüfung ist ein Studium in Bühnen- und Kostümbild, Szenografie oder Bildender Kunst möglich.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen den Fachrichtungen Malerei und Plastik?

Die Fachrichtung Malerei arbeitet flächig: Prospekte, Wände, Böden und Illusionsmalerei wie Holz-, Marmor- oder Steinimitation. Die Fachrichtung Plastik arbeitet dreidimensional und formt Objekte aus Styropor, Draht, Gips, Holz und Kunststoff. Die Entscheidung fällt im dritten Ausbildungsjahr, in der Praxis arbeiten beide Richtungen eng zusammen.

Wo finde ich Ausbildungsplätze für diesen Beruf?

Ausgebildet wird vor allem in den Werkstätten großer Staats-, Stadt- und Opernhäuser sowie in spezialisierten Dekorationsbetrieben. Bundesweit gibt es nur wenige Plätze pro Jahrgang, deshalb ist eine überregionale Bewerbung üblich. Eine Mappe mit eigenen Arbeiten und ein Probearbeiten gehören fast immer zum Auswahlverfahren.

Arbeiten Bühnenmaler auch außerhalb des Theaters?

Ja. Gefragt sind sie in Film- und Fernsehproduktionen, im Themen- und Freizeitparkbau, im Messe- und Ausstellungsbau sowie bei großen Showinszenierungen. Dort entstehen Themenwelten, Showdekorationen und Ausstellungskulissen nach denselben Techniken. Viele Betriebe arbeiten für Theater und Eventkunden parallel.

Was verdienen Bühnenmaler und Bühnenplastiker?

Realistisch sind etwa 26.000 bis 42.000 Euro brutto im Jahr, abhängig von Haus, Tarifbindung und Erfahrung. Öffentliche Häuser vergüten nach TVöD oder TV-L, private Werkstätten frei verhandelt. Werkstatt- und Malsaalleitungen liegen deutlich über der Spanne.

Ist der Beruf künstlerisch oder handwerklich?

Er ist beides. Die Entwürfe stammen vom Bühnenbild, die Umsetzung verlangt handwerkliche Technik, Materialkenntnis und Tempo. Eigene gestalterische Entscheidungen treffen Sie vor allem bei Technik, Farbaufbau und Oberflächenwirkung.

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