Was den Beruf ausmacht
Der Tourmanager ist auf Reisen die zentrale Person zwischen Künstler, Crew, Veranstalter und Agentur. Er plant die Tour im Vorfeld mit dem Veranstalter durch, sogenanntes Advancing, und sorgt unterwegs dafür, dass jeder Tag wie geplant abläuft. Vertrauen ist ein Kernbestandteil der Rolle, weil Tourmanager Geld, Verträge und persönliche Belange der Künstler verwalten.
Der Blick geht auf Menschen, Zeiten und Geld, nicht auf die Technik. Wie eine Show technisch gebaut wird, verantwortet der Production Manager; der Tourmanager sorgt dafür, dass alle Beteiligten rechtzeitig, ausgeruht und bezahlt am richtigen Ort sind. Bei kleineren Tourneen fallen beide Rollen zusammen.
Arbeitsumgebung
Der Arbeitsplatz wechselt täglich: Nightliner, Van, Flughafen, Hotel, Backstagebereich und Produktionsbüro der Spielstätte. In Tourpausen wird vom Homeoffice aus geplant und abgerechnet. Auftraggeber sind Künstler selbst, Management- und Bookingagenturen oder Tourneeveranstalter.
Der Anteil der Freiberuflichkeit ist hoch. Die meisten Tourmanager arbeiten selbstständig und werden pro Tour oder pro Tag gebucht; feste Anstellungen gibt es fast nur bei großen Managements und Tourneeveranstaltern. Wer davon leben will, braucht mehrere Stammkünstler oder Agenturen als Auftraggeber.
Arbeitszeiten
Ein Showtag beginnt mit dem Load-in am Morgen und endet nach der Abrechnung oder der Nachtfahrt. Sechs bis acht Wochen am Stück unterwegs sind auf Clubtouren üblich, mit wenigen freien Tagen. Zwischen den Touren gibt es planbare Phasen ohne Einsatz. Die Belastung ist ungleich verteilt und verlangt körperliche wie mentale Ausdauer.
Typische Aufgaben
- Routing und Tourplanung mit Agentur und Management abstimmen, Fahrzeiten und freie Tage realistisch legen
- Advancing: Vertrag, Rider, Zeitplan, Backline, Catering und Parkplatz mit jeder Spielstätte vorab klären
- Reisen, Nightliner, Flüge, Fähren, Visa und Carnets sowie Hotels buchen und Änderungen nachziehen
- Tagespläne erstellen, Lobby Calls, Soundcheck- und Showzeiten kommunizieren und durchsetzen
- Crew und Künstler betreuen, Gästelisten führen, Presse- und Meet-and-Greet-Termine einplanen
- Tourkasse führen, Gagen und Deals mit dem Veranstalter abrechnen, Belege und Spesen dokumentieren
- Merchandise-Abrechnung und Abgaben an die Spielstätte kontrollieren
- Störungen lösen: Ausfälle, Krankheit, verspätete Anlieferungen, Wetter und kurzfristige Absagen
Anforderungen & Skills
- Mehrjährige Praxis aus der Live-Branche, meist aus der Veranstaltungstechnik, dem Booking oder dem Backstage-Bereich
- Sicherer Umgang mit Verträgen, Ridern, Deal-Formen und Abrechnungen einschließlich Belegführung
- Kenntnisse zu Reisethemen: Visa, ATA-Carnet, Zoll, Fahrpersonalrecht und Lenkzeiten bei Nightlinern
- Englisch verhandlungssicher, weitere Sprachen bei Europatourneen von Vorteil
- Organisationsstärke, Überblick unter Schlafmangel und ruhige Gesprächsführung in Konflikten
- Diskretion und Loyalität im Umgang mit Künstlern und deren persönlichen Daten
- Führerschein Klasse B, häufig auch Bereitschaft zu Fahrten im Splitter oder Van
- Bereitschaft zu langen Abwesenheiten und unregelmäßigem Tagesrhythmus
- Als Freiberufler zusätzlich kaufmännische Selbstorganisation, Versicherungen und Steuerthemen
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Für Tourmanager existiert kein Ausbildungsberuf, kein Studiengang und kein geschützter Abschluss. Wer sich so nennt, weist die Eignung ausschließlich über gelaufene Touren und Empfehlungen nach. Es gibt auch keine Kammerprüfung, die den Zugang regelt.
Als Vorbildung sind zwei Linien üblich. Die eine kommt aus der Technik, etwa als Fachkraft für Veranstaltungstechnik, Tontechniker oder Backliner, die andere aus dem kaufmännischen Bereich, etwa als Veranstaltungskaufmann, aus Bookingagenturen oder Konzertveranstaltern. Ein Studium in Musik-, Kultur- oder Eventmanagement kann ergänzen, ersetzt aber die Tourpraxis nicht.
Quereinstieg
Der Einstieg läuft über Mitfahren. Üblich ist, zunächst als Backliner, Merchandiser, Fahrer oder Tourassistenz mitzureisen und dabei Abläufe, Sprache und Netzwerk aufzubauen. Kleine Clubtouren regionaler Bands sind die typische erste eigene Verantwortung; größere Produktionen kommen über Empfehlung. Ein belastbares Kontaktnetz zu Agenturen und Veranstaltern ist wichtiger als jedes Zeugnis.
Weiterbildung
Sinnvoll sind Seminare und Branchenlehrgänge zu Vertrags- und Urheberrecht, Künstlersozialabgabe, Steuer- und Abzugssteuerfragen bei ausländischen Künstlern sowie zur Ausländerbesteuerung nach Paragraf 50a EStG. Dazu kommen Erste Hilfe, Schulungen zu Awareness und Konfliktdeeskalation sowie Angebote der Branchenverbände und Musikmessen. Wer in die Produktionsleitung wechseln will, ergänzt technische Qualifikationen bis hin zum Meister für Veranstaltungstechnik.
Häufige Fragen
Wie wird man Tourmanager?
Es gibt keinen geregelten Weg. Fast alle steigen über Mitfahrten als Backliner, Merchandiser, Fahrer oder Tourassistenz ein und übernehmen später kleine Clubtouren in Eigenverantwortung. Größere Produktionen werden fast ausschließlich über Empfehlungen vergeben.
Was bedeutet Advancing?
Advancing ist die Vorabklärung einer Show mit der Spielstätte und dem örtlichen Veranstalter. Dabei werden Zeitplan, technischer und Catering-Rider, Anfahrt, Parkplätze, Unterkünfte, Gästelisten und Abrechnungsdetails durchgegangen. Sauberes Advancing verhindert die meisten Probleme am Showtag.
Was verdient ein Tourmanager?
Verlässliche Statistiken fehlen, weil die Tätigkeit überwiegend freiberuflich ist. Üblich sind Tagesgagen für Show- und Reisetage, deren Höhe von Produktionsgröße und Verhandlung abhängt. Das Jahreseinkommen hängt vor allem davon ab, wie viele Tourtage zustande kommen.
Worin unterscheidet sich der Tourmanager vom Production Manager?
Der Tourmanager kümmert sich um Menschen, Reise, Zeitplan und Geld einer Tournee. Der Production Manager verantwortet die technische und logistische Umsetzung der Show, also Gewerke, Material, Trucks und Crewstärke. Bei kleinen Touren macht eine Person beides.
Ist der Beruf mit Familie vereinbar?
Er verlangt lange Abwesenheiten von mehreren Wochen am Stück. Dafür gibt es zwischen den Touren planbare Phasen ohne Einsätze. Viele Tourmanager steuern das über die Auswahl der Produktionen und die Zahl der Tourtage pro Jahr.
Welche rechtlichen Themen sollte man kennen?
Wichtig sind Vertrags- und Rider-Kenntnisse, Lenk- und Ruhezeiten beim Nightliner, Visa- und Carnet-Fragen für Reisen außerhalb der EU sowie die Abzugsbesteuerung ausländischer Künstler nach Paragraf 50a EStG. Bei Unsicherheit gehören diese Punkte in die Hand von Steuerberatung oder Anwalt.