Zertifikatslehrgang / Weiterbildung 121 Zeitstunden, rund 20 Lehrgangstage DQR 4

Sachkundiger IKT in der Veranstaltungstechnik

Auch bekannt als: Sachkunde für Informations- und Kommunikationstechnik · IGVW SQQ10 · SQQ10 · IT-Systemer Veranstaltungstechnik · Netzwerktechniker Veranstaltungstechnik · Medien-IT-Spezialist · Event Network Technician · ICT Specialist Live Events

Die Sachkunde für Informations- und Kommunikationstechnik nach IGVW SQQ10 belegt, dass Sie Netzwerke für Ton, Licht, Video und Kommunikation in der Veranstaltungstechnik planen, aufbauen, absichern und im Fehlerfall analysieren können. Sie ist die Antwort der Branche darauf, dass heute nahezu jedes Gewerk über IP läuft.

Was die Qualifikation ausmacht

Beschallung, Lichtsteuerung, Medienserver, LED-Wände, Intercom und Streaming laufen heute über dieselbe Netzwerkinfrastruktur. Wer diese Netze aufbaut, entscheidet damit über die Zuverlässigkeit der gesamten Produktion. IGVW SQQ10 legt fest, welche Kompetenz eine Person dafür nachweisen muss.

Der Standard trägt den Titel Sachkunde für Informations- und Kommunikationstechnik Level 1 und ist dem Niveau 4 des Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmens zugeordnet. Er ergänzt die Ausbildung in der Veranstaltungstechnik um IT-Kompetenz, statt sie zu ersetzen. Entwickelt wurde er unter Mitwirkung von Sicherheitsfachkräften großer europäischer Rundfunkanstalten und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Arbeitsumgebung

Gearbeitet wird an Netzwerkschränken, Switches, Glasfaser- und Kupferstrecken, Funkstrecken und Medienservern. Die Infrastruktur entsteht für jede Produktion neu und muss unter Zeitdruck stabil laufen. Typische Einsatzorte sind Kongresszentren, Messehallen, Arenen, Theater, Studios und hybride Veranstaltungen mit Streaming.

Feste Stellen gibt es bei Rental- und Systemhäusern, in Veranstaltungshäusern, bei Rundfunkanstalten und bei Anbietern für Konferenz- und Medientechnik. Ein wachsender Teil der Arbeit findet freiberuflich in Produktionsteams statt.

Arbeitszeiten

Das Netzwerk steht am Anfang jedes Aufbaus und wird als Letztes abgebaut. Frühe Starts, Nachtschichten und Bereitschaft während der Veranstaltung sind üblich. Wochenend-, Feiertags- und Reisetätigkeit gehören zum Berufsbild.

Gültigkeit und Kosten

Der Nachweis hat kein festes Ablaufdatum. Da Protokolle, Geräte und Sicherheitsanforderungen sich schnell ändern, bleibt er nur mit laufender Praxis und Herstellerschulungen fachlich belastbar. Der Standard sieht ausdrücklich ein Level 1 vor, weitere Stufen sind in Vorbereitung.

Der Lehrgang umfasst 121 Zeitstunden, davon mindestens 90 Stunden unter Anleitung; der Rest entfällt auf Selbstlernphasen und Praxisarbeit. In der Praxis wird er über rund 20 Lehrgangstage angeboten, häufig hybrid oder online. Die Kosten liegen bei etwa 3.750 Euro. Formale Zugangsvoraussetzungen setzen die meisten Anbieter nicht, praktische Vorkenntnisse aus der Veranstaltungstechnik werden aber erwartet.

Typische Aufgaben

  • Netzwerkkonzept für eine Produktion erstellen, IP-Adressierung und VLAN-Struktur festlegen
  • Switches konfigurieren, Kupfer- und Glasfaserstrecken aufbauen und messen
  • Audionetzwerke wie Dante und AES67 sowie Lichtprotokolle wie sACN und Art-Net einbinden
  • Video-over-IP, Medienserver und Streaming-Encoder ins Netz integrieren
  • Intercom-, Konferenz- und WLAN-Systeme planen und in Betrieb nehmen
  • Redundanzen aufbauen und das Netz gegen unbefugten Zugriff absichern
  • Netzwerkfehler unter Zeitdruck eingrenzen, messen und beheben
  • Netzpläne, Adresslisten und Übergabedokumentation für die Produktion pflegen

Anforderungen & Skills

  • Praktische Erfahrung in der Veranstaltungstechnik, üblicherweise als Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder mit vergleichbarer Praxis
  • Grundverständnis von IT: Betriebssysteme, IP-Adressierung, Kommandozeile
  • Kenntnis der Medienprotokolle für Ton, Licht und Video
  • Sorgfältige Dokumentation, weil Netze im Havariefall schnell verstanden werden müssen
  • Analytisches Vorgehen bei der Fehlersuche und Ruhe unter Zeitdruck
  • Kenntnis von DGUV Vorschrift 17/18 sowie der elektrotechnischen Grundlagen der Veranstaltungstechnik
  • Gute Englischkenntnisse für Herstellerdokumentation und internationale Produktionen
  • Reise- und Schichtbereitschaft, Führerschein Klasse B

Ausbildung & Einstieg

Ausbildung

Es gibt keinen geregelten Ausbildungsberuf für Medien-IT in der Veranstaltungstechnik. SQQ10 ist ein Zertifikatslehrgang nach dem Branchenstandard der IGVW, aktuell in der Fassung von 2024. Der Lehrgang schließt mit fünf schriftlichen Prüfungsteilen von zusammen etwa 90 Minuten und einem praktischen Fachgespräch von rund 45 Minuten zu Netzaufbau und Fehleranalyse ab. Zum Bestehen sind mindestens 70 Prozent nötig.

Wer eine IT-Ausbildung mitbringt, etwa als Fachinformatiker für Systemintegration, findet über SQQ10 den Anschluss an die Besonderheiten der Veranstaltungstechnik. Umgekehrt schließt der Lehrgang für Menschen aus der Veranstaltungstechnik die IT-Lücke.

Quereinstieg

Der Standard steht ausdrücklich auch Quereinsteigenden mit Berufserfahrung in der Veranstaltungstechnik offen. Formale Zulassungsvoraussetzungen setzen die meisten Anbieter nicht. Ohne Praxis im Aufbaubetrieb bleibt der Stoff jedoch abstrakt, weil die Prüfung an realen Netzaufbauten orientiert ist.

Weiterbildung

Sinnvoll ergänzen sich SQQ10 und die Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik nach IGVW SQQ1. Fachlich schließen Herstellerzertifizierungen für Audionetzwerke, Medienserver und Netzwerkhardware an, ebenso allgemeine IT-Zertifikate zu Netzwerk und Sicherheit. Für Führungsaufgaben führt der Weg über den Meister für Veranstaltungstechnik oder ein Studium der Theater- und Veranstaltungstechnik oder Medientechnik.

Häufige Fragen

Was deckt SQQ10 inhaltlich ab?

Netzwerktechnik und Mediennetze, Übertragungsmedien von Kupfer bis Glasfaser, Virtualisierung und Cloud-Dienste, Netzwerksicherheit sowie systematische Fehlersuche. Der Bezug ist durchgängig die Veranstaltungstechnik: Audionetzwerke, Lichtprotokolle, Video over IP, Intercom und Streaming. Es ist ausdrücklich das Level 1 des Standards.

Welche Voraussetzungen brauche ich?

Formale Zulassungsvoraussetzungen setzen die meisten Anbieter nicht. Der Standard richtet sich an Menschen mit Hintergrund in der Veranstaltungstechnik, steht aber auch Quereinsteigenden mit einschlägiger Berufserfahrung offen. IT-Grundkenntnisse und Praxis im Aufbaubetrieb erleichtern den Lehrgang deutlich.

Wie lange dauert der Lehrgang und was kostet er?

Der Standard sieht 121 Zeitstunden vor, davon mindestens 90 Stunden unter Anleitung. In der Praxis wird das über rund 20 Lehrgangstage angeboten, häufig online oder hybrid. Die Kosten liegen bei etwa 3.750 Euro.

Wie läuft die Prüfung ab?

Die theoretische Prüfung besteht aus fünf schriftlichen Teilen von zusammen etwa 90 Minuten. Dazu kommt eine praktische Prüfung in Form eines rund 45-minütigen Fachgesprächs zu Netzaufbau und Fehleranalyse. Zum Bestehen sind mindestens 70 Prozent erforderlich.

Auf welchem Niveau ist SQQ10 eingeordnet?

Der Standard nennt Niveau 4 des Deutschen Qualifikationsrahmens und EQF-Level 4. Das entspricht dem Niveau einer dreijährigen Berufsausbildung. SQQ10 ist als Spezialisierung neben der Ausbildung in der Veranstaltungstechnik gedacht, nicht als Ersatz.

Brauche ich SQQ10, wenn ich schon eine IT-Ausbildung habe?

Eine IT-Ausbildung deckt Netzwerkgrundlagen ab, aber nicht die Besonderheiten der Veranstaltungstechnik: Medienprotokolle, mobile Aufbauten, Redundanz unter Showbedingungen und die Schnittstellen zu Ton, Licht und Video. Genau diese Lücke schließt SQQ10. Umgekehrt profitieren Sie von den IT-Vorkenntnissen im Lehrgang.

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