Zertifikatslehrgang / Weiterbildung Stufenmodell: Level 1 66, Level 2 102, Level 3 72 Unterrichtseinheiten

Sachkundiger für Veranstaltungsrigging

Auch bekannt als: Riggingsachkundiger · Sachkunde Veranstaltungsrigging · IGVW SQQ2 · Rigger Level 1 · Rigger Level 2 · Rigger Level 3 · Entertainment Rigger · Rigging Supervisor · Head Rigger

Die Sachkunde für Veranstaltungsrigging nach IGVW SQQ2 weist nach, dass Sie Lasten über Bühne und Publikum anschlagen, halten und bewegen dürfen. Der Standard ist in drei Level gegliedert: Level 1 arbeitet auf Anweisung, Level 2 arbeitet selbstständig und Level 3 trägt die Planungs- und Leitungsverantwortung für das gesamte Rigging.

Was die Qualifikation ausmacht

Rigging heißt, Lasten über Bühne und Publikum aufzuhängen und zu bewegen: Traversen, Kettenzüge, Beschallungsarrays, Videowände und Dekoration. Fällt hier etwas herunter, sind Menschen in Lebensgefahr. IGVW SQQ2 legt deshalb fest, welche Kompetenz eine Person nachweisen muss, bevor sie solche Arbeiten übernehmen darf.

Der Standard arbeitet mit drei aufeinander aufbauenden Leveln. Level 1 montiert Traversensysteme und schlägt Lasten an vorgegebenen Punkten an, arbeitet dabei aber ausschließlich auf Anweisung und bei Höhenarbeit unter Aufsicht. Level 2 plant temporäre Anschlagpunkte, erstellt Gefährdungsbeurteilungen und Rettungskonzepte und führt ein Team. Level 3 verantwortet das Rigging einer Produktion insgesamt, prüft komplexe Berechnungen und stimmt sich mit den übrigen Gewerken ab.

Arbeitsumgebung

Gearbeitet wird in der Höhe: auf Traversen, Steigleitern, Hubarbeitsbühnen, Dachkonstruktionen von Festivalbühnen und in Hallendecken. Grundlage sind DGUV Vorschrift 17/18 für Veranstaltungs- und Produktionsstätten, DGUV Regel 112-198 für persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz und DGUV Information 215-313 für Lasten über Personen. Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz gehört in jedem Level zur Pflichtkompetenz.

Typische Einsatzorte sind Arenen, Messehallen, Theater, Festivalgelände und Fernsehstudios. Viele Riggerinnen und Rigger arbeiten freiberuflich und wechseln zwischen Produktionen, Tourneen und Hausbetrieben.

Arbeitszeiten

Rigging steht am Anfang und am Ende jedes Aufbaus. Das bedeutet frühe Starts, Nachtschichten und lange Aufbautage, gefolgt von Wartezeiten während der Show. Wochenend- und Feiertagsarbeit sowie Reisetätigkeit sind Standard.

Gültigkeit und Kosten

Die Sachkunde bleibt nur mit laufendem Nachweis gültig. SQQ2 verlangt eine arbeitsmedizinische Vorsorge für Höhenarbeit, eine Auffrischung der Erste-Hilfe-Ausbildung alle zwei Jahre, mindestens acht Stunden riggingspezifische Fortbildung im Jahr und eine Mindestzahl dokumentierter Einsatztage: 20 Tage in Level 1, 40 Tage in Level 2 und 50 Tage in Level 3.

Level 1 umfasst 66 Unterrichtseinheiten, Level 2 rund 102 Einheiten und Level 3 rund 72 Einheiten, jeweils innerhalb von zwölf Monaten abzuschließen. Die Lehrgangskosten liegen je Level etwa zwischen 2.400 und 2.800 Euro zuzüglich Umsatzsteuer, je nach Anbieter und Gruppengröße. Förderungen über Bildungsgutschein, KOMPASS, Bildungsscheck NRW oder QualiScheck Rheinland-Pfalz sind möglich.

Typische Aufgaben

  • Traversensysteme und Ground-Support-Konstruktionen montieren und ausrichten
  • Lasten mit Anschlagmitteln wie Rundschlingen, Schäkeln und Stahlseilen sicher aufnehmen
  • Kettenzüge einbauen, Steuerung anschließen und Lastwege kontrollieren
  • Anschlagpunkte im Bauwerk beurteilen und temporäre Anschlagpunkte planen (ab Level 2)
  • Riggingpläne, Lastenlisten und technische Zeichnungen lesen und erstellen
  • Gefährdungsbeurteilungen erstellen sowie Rettungskonzepte planen und üben
  • Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz prüfen, anlegen und im Team überwachen
  • Riggingteam führen, Gewerke koordinieren und die Dokumentation abschließen (Level 3)

Anforderungen & Skills

  • Mindestalter 18 Jahre und arbeitsmedizinische Eignung für Arbeiten mit Absturzgefahr, etwa nach G 41
  • Gültige Erste-Hilfe-Ausbildung, Auffrischung alle zwei Jahre
  • Für Level 2: bestandene Level-1-Prüfung, ein Jahr Praxis und mindestens 20 dokumentierte Einsatztage
  • Für Level 3: bestandene Level-2-Prüfung, zwei Jahre Praxis und mindestens 50 Einsatztage in den letzten zwölf Monaten
  • Sichere Grundlagen in Mathematik und Statik: Kräfte, Vektoren, Lastverteilung
  • Kenntnis von DGUV Vorschrift 17/18, DGUV Regel 112-198 und DGUV Information 215-313
  • Schwindelfreiheit, körperliche Belastbarkeit und ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein
  • Englischkenntnisse für internationale Produktionen und Herstellerunterlagen
  • Reise- und Schichtbereitschaft, Führerschein Klasse B

Ausbildung & Einstieg

Ausbildung

Es gibt keinen geregelten Ausbildungsberuf Rigger. Die Sachkunde nach IGVW SQQ2 ist ein Zertifikatslehrgang mit schriftlichen Teilprüfungen zu Recht, Statik, technischer Ausrüstung und Absturzsicherung sowie einer praktischen Prüfung. Zum Bestehen sind in jedem schriftlichen Teil mindestens 70 Prozent nötig.

Der Standard verlangt Praxis, nicht nur Lehrgangsstunden. Zwischen den Leveln liegen jeweils Wartezeiten mit dokumentierten Einsatztagen. Wer als Fachkraft für Veranstaltungstechnik ausgebildet ist oder einen mehrjährigen Tätigkeitsschwerpunkt im Rigging nachweist, bringt die passenden Vorkenntnisse mit.

Quereinstieg

Der Einstieg gelingt üblicherweise über Stagehand- und Aufbautätigkeiten, über die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder aus Metallbau-, Bau- und Höhenarbeitsberufen. Wichtig ist ein Betrieb, der die geforderten Einsatztage unter Aufsicht ermöglicht und dokumentiert. Ohne diese Nachweise bleibt der Aufstieg von Level 1 nach Level 2 verschlossen.

Weiterbildung

Neben dem Aufstieg innerhalb der Level bieten sich die Sachkunde für Anschlagmittel, Ausbildungen zur Bedienung von Hubarbeitsbühnen und Kranen sowie Höhenrettung an. Wer Leitungsaufgaben anstrebt, geht weiter zum Meister für Veranstaltungstechnik oder zum Studium Theater- und Veranstaltungstechnik. Ergänzend sinnvoll sind IGVW SQQ1 für Elektrotechnik und Kenntnisse in Statiksoftware und CAD.

Häufige Fragen

Was darf ich mit SQQ2 Level 1, Level 2 und Level 3 jeweils?

Level 1 montiert Traversensysteme und schlägt Lasten an vorgegebenen Punkten an, arbeitet aber nur auf Anweisung und bei Höhenarbeit unter Aufsicht. Level 2 arbeitet selbstständig, plant temporäre Anschlagpunkte, erstellt Gefährdungsbeurteilungen und führt ein Team. Level 3 verantwortet das Rigging einer Produktion insgesamt und stimmt sich mit allen Gewerken ab.

Welche Voraussetzungen brauche ich für Level 1?

Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein, eine arbeitsmedizinische Eignung für Arbeiten mit Absturzgefahr vorlegen, etwa nach G 41, und eine gültige Erste-Hilfe-Ausbildung nachweisen. Grundkenntnisse in Mathematik werden vorausgesetzt. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist für Level 1 nicht zwingend.

Wie lange dauern die Lehrgänge und was kosten sie?

Level 1 umfasst 66 Unterrichtseinheiten, Level 2 rund 102 und Level 3 rund 72 Einheiten. Jeder Level ist innerhalb von zwölf Monaten abzuschließen. Die Kosten liegen je Level etwa zwischen 2.400 und 2.800 Euro zuzüglich Umsatzsteuer, abhängig von Anbieter, Standort und Gruppengröße.

Läuft die Sachkunde ab?

Sie verfällt nicht an einem festen Datum, verlangt aber laufende Nachweise. Dazu gehören die arbeitsmedizinische Vorsorge, eine Erste-Hilfe-Auffrischung alle zwei Jahre, mindestens acht Stunden riggingspezifische Fortbildung im Jahr und dokumentierte Einsatztage: 20 in Level 1, 40 in Level 2 und 50 in Level 3.

Wie komme ich von Level 1 nach Level 2?

Sie brauchen die bestandene Level-1-Prüfung, ein Jahr Berufserfahrung als Rigger im Level 1 und mindestens 20 dokumentierte Einsatztage in den letzten zwölf Monaten. Hinzu kommen die weiterhin gültige arbeitsmedizinische Vorsorge und die Erste-Hilfe-Ausbildung. Der Betrieb muss die Einsatztage bescheinigen.

Brauche ich SQQ2, wenn ich nur beim Aufbau helfe?

Für reine Zuarbeit am Boden ohne Anschlagen von Lasten und ohne Höhenarbeit ist die Sachkunde nicht zwingend. Sobald Sie Lasten anschlagen, Traversen montieren oder in der Höhe arbeiten, verlangen Auftraggeber und Berufsgenossenschaften einen entsprechenden Kompetenznachweis. Für den niedrigschwelligen Einstieg gibt es die Basisqualifikation nach IGVW SQQ3.

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