Was die Qualifikation ausmacht
SQQ7 beschreibt die Kompetenz, die eine Person braucht, um Beschallungsaufgaben in der Veranstaltungstechnik selbstständig zu verantworten. Der Standard setzt auf den Kompetenzen der Fachkraft für Veranstaltungstechnik auf und vertieft sie in Richtung Live-Audio. Er ist dem Niveau 5 des Deutschen und des Europäischen Qualifikationsrahmens zugeordnet und liegt damit zwischen Facharbeiterausbildung und Meister.
Inhaltlich geht es um physikalische Grundlagen, Mischpulte und Signalfluss, Mikrofonierung, Lautsprechersysteme und ihre Auslegung, drahtlose Audioübertragung und Frequenzplanung sowie Netzwerktechnik für Audio. Hinzu kommen Messtechnik und Systemeinmessung, Gehörschutz und die Grenzwerte für Schalldruckpegel bei Veranstaltungen.
Arbeitsumgebung
Der Einsatz reicht von Clubkonzerten und Theaterproduktionen über Kongresse und Messen bis zu Festivalbühnen, Arenen und Fernsehstudios. Gearbeitet wird an Front-of-House-Positionen, an Monitorpulten, in Systemracks und im Netzwerkschrank. Die Beschallungsanlage wird für jede Spielstätte neu ausgelegt, aufgebaut, eingemessen und wieder abgebaut.
Viele Fachleute in diesem Feld arbeiten freiberuflich für wechselnde Produktionen und Verleiher. Feste Stellen finden sich bei Rental-Unternehmen, in Theatern, Konzerthäusern, Arenen und bei Rundfunkanstalten.
Arbeitszeiten
Aufbau und Soundcheck liegen tagsüber, die Show am Abend, der Abbau in der Nacht. Wochenend-, Feiertags- und Schichtarbeit gehören zum Alltag, ebenso längere Reisephasen bei Tourneen und Festivalsommern. Planbarkeit gibt es vor allem in Häusern mit festem Spielplan.
Gültigkeit und Kosten
SQQ7 ist ein Kompetenznachweis ohne festes Ablaufdatum. Er verliert seinen Wert nur dadurch, dass Technik und Verfahren sich weiterentwickeln; regelmäßige Praxis und Herstellerschulungen halten ihn aktuell. Eine gesetzlich vorgeschriebene Auffrischung wie bei sicherheitsrelevanten Sachkunden gibt es nicht.
Der Lehrgang umfasst laut Standard rund 400 Stunden, davon etwa 250 Stunden unter Anleitung, der Rest Selbstlernphasen und Praxisarbeit. Angeboten wird er berufsbegleitend über etwa sechs Monate, häufig als Kombination aus Online-Vorlesungen und Präsenzblöcken. Die Kosten liegen bei rund 5.500 Euro zuzüglich Anmeldegebühr.
Typische Aufgaben
- Beschallungskonzept erstellen, Lautsprechersysteme auslegen und simulieren
- Line-Array- und Punktquellensysteme aufbauen, ausrichten und mit Messtechnik einmessen
- Mischung an Front of House und Monitor fahren, Soundcheck und Proben begleiten
- Mikrofonierung planen und umsetzen, Rückkopplungen kontrollieren
- Drahtlosstrecken koordinieren, Frequenzen planen und Störungen vermeiden
- Audionetzwerke wie Dante oder AES67 konfigurieren und dokumentieren
- Signalwege, Patchpläne und Systemunterlagen für die Produktion erstellen
- Schalldruckpegel überwachen, Grenzwerte einhalten und Gehörschutz sicherstellen
Anforderungen & Skills
- Mindestalter 18 Jahre und abgeschlossene Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder gleichwertige Kompetenzen
- Praktische Erfahrung im Live-Audio-Bereich, bei Quereinstieg nachweisbare Vorkenntnisse
- Sichere Grundlagen in Akustik, Elektrotechnik und Mathematik
- Kenntnis von Netzwerktechnik und Audio-over-IP-Protokollen
- Gutes Gehör sowie Verständnis für Gehörschutz und Pegelgrenzwerte
- Kenntnis von DGUV Vorschrift 17/18 und der Regeln zur Lärmbelastung bei Veranstaltungen
- Gute Deutsch- und Englischkenntnisse für Rider, Handbücher und internationale Crews
- Reise- und Schichtbereitschaft, Belastbarkeit unter Zeitdruck
- Kommunikationsstärke im Umgang mit Künstlern, Produktion und Gewerken
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Der Berufsspezialist für Tontechnik ist kein Ausbildungsberuf, sondern ein Zertifikatslehrgang nach dem Branchenstandard IGVW SQQ7. Der Standard wurde gemeinsam mit Sicherheitsfachkräften und Rundfunkanstalten entwickelt und ist seit 2022 veröffentlicht. Angeboten wird der Lehrgang von Bildungsträgern der Veranstaltungs- und Medienbranche, unter anderem an mehreren Standorten in Deutschland mit Starts im Frühjahr und Herbst.
Der übliche Zugang ist die abgeschlossene Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Der Standard schließt ausdrücklich an die dort erworbenen Kompetenzen an und vertieft sie.
Quereinstieg
Der Lehrgang steht auch Quereinsteigenden mit dokumentierten Vorkenntnissen offen, etwa aus dem Musikbereich, aus Tonstudios, aus dem Rundfunk oder aus langjähriger Praxis als Tontechniker ohne formalen Abschluss. Anbieter prüfen die Vorkenntnisse vor der Aufnahme. Ohne belastbare Praxis ist der Umfang von rund 400 Stunden schwer zu bewältigen.
Weiterbildung
Fachlich schließen die Sachkunde für Informations- und Kommunikationstechnik nach IGVW SQQ10 und Herstellerzertifizierungen für Beschallungssysteme und Messsoftware an. Wer Führungsverantwortung übernehmen will, geht weiter zum Meister für Veranstaltungstechnik. Wer stärker künstlerisch arbeiten möchte, orientiert sich in Richtung Tonmeisterstudium an einer Musikhochschule.
Häufige Fragen
Was bringt mir SQQ7 gegenüber der Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik?
Die Ausbildung deckt alle Gewerke breit ab, SQQ7 vertieft gezielt Live-Audio. Sie erwerben Kompetenz in Systemauslegung, Einmessung, Drahtlostechnik und Audionetzwerken, die über das Ausbildungsniveau hinausgeht. Der Standard ist dem Niveau 5 des Deutschen Qualifikationsrahmens zugeordnet, die Ausbildung dem Niveau 4.
Wie lange dauert der Lehrgang und was kostet er?
Der Standard sieht rund 400 Stunden vor, davon etwa 250 Stunden unter Anleitung. Berufsbegleitend verteilt sich das über etwa sechs Monate, meist als Kombination aus Online-Vorlesungen und Präsenzblöcken. Die Kosten liegen bei rund 5.500 Euro zuzüglich Anmeldegebühr.
Welche Voraussetzungen brauche ich?
Vorausgesetzt werden ein Mindestalter von 18 Jahren und die Kompetenzen einer Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder gleichwertige Vorkenntnisse. Gute Deutsch- und Englischkenntnisse sind nötig, weil Fachliteratur und Gerätedokumentation überwiegend englisch sind. Quereinsteigende mit dokumentierter Praxis werden zugelassen.
Ist SQQ7 dasselbe wie ein Tonmeisterstudium?
Nein. Das Tonmeisterstudium ist ein mehrjähriges künstlerisch-technisches Hochschulstudium mit Eignungsprüfung und Schwerpunkt Musikproduktion und Musikregie. SQQ7 ist ein berufsbegleitender Zertifikatslehrgang mit Schwerpunkt Live-Beschallung in der Veranstaltungstechnik. Beide Wege führen zu unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern.
Läuft der Nachweis ab?
Es gibt kein festes Ablaufdatum und keine vorgeschriebene Auffrischung, weil SQQ7 keine sicherheitsrechtliche Sachkunde ist. Der fachliche Wert hängt aber an aktueller Praxis, weil sich Pulte, Systeme, Netzwerkprotokolle und Frequenzregulierung laufend ändern. Herstellerschulungen sind dafür der übliche Weg.
Für welche Stellen qualifiziert SQQ7?
Typisch sind Rollen als Tontechniker an Front of House oder Monitor, als Systemtechniker für Beschallung bei Verleihern und als Audioverantwortlicher in Theatern, Arenen und Kongresszentren. Auch Rundfunkanstalten und Produktionsfirmen fragen den Nachweis nach. Viele Stellen werden freiberuflich besetzt.