Was die Qualifikation ausmacht
Moderne Beleuchtungsanlagen bestehen aus hunderten vernetzten Scheinwerfern, Medienservern und Steuersystemen. IGVW SQQ12 beschreibt, welche Kompetenz eine Person nachweisen muss, um diese Anlagen zu programmieren oder technisch zu verantworten. Die IGVW hat den Standard gemeinsam mit dem Verband für Licht- und Lichtgestaltung Anfang 2026 veröffentlicht.
Der Standard teilt sich in zwei Fachrichtungen. SQQ12.1 Lichtsteuerung richtet sich an Lichtoperatoren: sicherer Umgang mit Lichtpulten, professioneller Aufbau von Showfiles, Programmierstruktur, Arbeiten mit Licht und Lichtgestaltung. SQQ12.2 Lichtsystemtechnik richtet sich an Lichtsystemer: Installation, Netzwerkinfrastruktur, Signalübertragung, Wartung und Betreuung der Anlage. Beide Fachrichtungen sind dem Niveau 5 des Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmens zugeordnet.
Ein wichtiger Schwerpunkt ist Sicherheit. LED- und Laserphosphor-Scheinwerfer erreichen hohe Strahldichten; der Standard behandelt deshalb ausführlich Augengefährdung, Blaulichtanteil und Schutzmaßnahmen.
Arbeitsumgebung
Der Einsatz reicht von Theater und Oper über Fernseh- und Filmproduktion, Musikveranstaltungen und Messen bis zu Orchesterkonzerten und architektonischer Beleuchtung. Gearbeitet wird am Lichtpult, am Netzwerk- und Dimmerrack, auf Hubarbeitsbühnen und in Traversen. Lichtoperatoren verbringen viel Zeit in Proben und Programmierphasen, Lichtsystemer im Auf- und Umbau.
Feste Stellen bieten Theater, Konzerthäuser, Arenen, Fernsehstudios und Rental-Unternehmen. Ein großer Teil der Arbeit wird freiberuflich in wechselnden Produktionen erbracht.
Arbeitszeiten
Programmierung und technische Einrichtung liegen häufig nachts oder an veranstaltungsfreien Tagen. Während der Spielzeit bestimmen Proben- und Vorstellungspläne den Tag. Wochenend-, Feiertags- und Schichtarbeit sowie Reisen zu Produktionen sind üblich.
Gültigkeit und Kosten
Der Nachweis hat kein festes Ablaufdatum und verlangt keine gesetzlich vorgeschriebene Auffrischung. Fachlich bleibt er nur mit laufender Praxis und Herstellerschulungen aktuell, weil Pulte, Scheinwerfer und Protokolle sich schnell weiterentwickeln.
SQQ12.1 umfasst 206 Zeitstunden, SQQ12.2 umfasst 203 Zeitstunden, jeweils mit mindestens 160 Stunden unter Anleitung; der Rest entfällt auf Selbstlernphasen und Praxisarbeit. Die ersten Lehrgänge sind mehrwöchig angelegt, laufen überwiegend online im virtuellen Klassenraum und schließen mit einer Präsenzwoche unter Produktionsbedingungen ab. Verbindliche Marktpreise haben sich noch nicht eingespielt; vergleichbare IGVW-Lehrgänge liegen im Bereich von etwa 2.500 bis 5.500 Euro.
Typische Aufgaben
- Showfile aufbauen: Patch, Gruppen, Presets, Sequenzen und Effekte strukturiert anlegen
- Lichtstimmungen mit Regie, Lichtdesign und Bühne erarbeiten und in Proben anpassen
- Lichtpult während Proben, Vorstellung und Show bedienen
- Beleuchtungsanlage aufbauen, adressieren und in Betrieb nehmen (Fachrichtung Lichtsystemtechnik)
- Signalübertragung und Netzwerkinfrastruktur für DMX, sACN und Art-Net planen und aufbauen
- Medienserver einbinden und mit der Lichtsteuerung synchronisieren
- Fehler an Scheinwerfern, Datenwegen und Steuerung eingrenzen und beheben
- Lichtpläne, Patchlisten und technische Unterlagen erstellen und übergeben
- Schutzmaßnahmen gegen Augengefährdung durch LED- und Laserphosphor-Scheinwerfer umsetzen
Anforderungen & Skills
- Kompetenzen einer Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder gleichwertige Berufserfahrung
- Empfohlen rund zwei Jahre praktische Erfahrung im Beleuchtungsbereich
- Für SQQ12.2 zusätzlich die Sachkunde für Anschlagmittel und die Kompetenz der Elektrofachkraft nach IGVW SQQ1
- Normales Farbsehen und gutes räumliches Vorstellungsvermögen
- Englischkenntnisse mindestens auf Niveau A2 für Handbücher und internationale Produktionen
- Verständnis für Netzwerktechnik und Signalübertragung im Licht
- Kenntnis von DGUV Vorschrift 17/18, DGUV Vorschrift 3 und der Regeln zu optischer Strahlung
- Belastbarkeit für Nachtarbeit, Probenphasen und enge Zeitfenster
- Kommunikationsfähigkeit im Zusammenspiel mit Regie, Design und Technik
Ausbildung & Einstieg
Ausbildung
Beleuchtungsspezialist ist kein Ausbildungsberuf, sondern ein Zertifikatslehrgang nach dem Branchenstandard IGVW SQQ12. Der Standard setzt die Kompetenzen der Fachkraft für Veranstaltungstechnik voraus und vertieft sie. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil von 180 Minuten zu lichttechnischen Grundlagen, Gerätekunde, Netzwerk- und Steuerungstechnik, Programmierstruktur, technischer Kommunikation sowie Gefährdungen und Rechtsgrundlagen und einem praktischen Teil von 90 Minuten mit Fachgespräch. Zum Bestehen sind mindestens 70 Prozent in den schriftlichen Teilen nötig.
Die Lehrgänge folgen einem Y-Modell: Alle Teilnehmenden durchlaufen zunächst gemeinsame Grundlagen und wählen danach die Fachrichtung Lichtsteuerung oder Lichtsystemtechnik. Beide Abschlüsse lassen sich nacheinander erwerben.
Quereinstieg
Neben Fachkräften für Veranstaltungstechnik lassen die Anbieter auch qualifizierte Quereinsteigende mit entsprechender Berufserfahrung zu, etwa aus Theaterbeleuchtung, Filmlicht oder langjähriger Praxis als Lichtoperator ohne formalen Abschluss. Ohne Praxis am Pult oder an der Anlage ist der Umfang von rund 200 Stunden kaum zu bewältigen.
Weiterbildung
Fachlich schließen Herstellerzertifizierungen für Lichtpulte und Medienserver, die Sachkunde für Informations- und Kommunikationstechnik nach IGVW SQQ10 sowie Qualifikationen zur Lasersicherheit an. Wer gestalterisch arbeiten möchte, orientiert sich in Richtung Lichtdesign, teils über ein Studium der Lichtgestaltung. Für Führungsaufgaben führt der Weg über den Meister für Veranstaltungstechnik, Fachrichtung Beleuchtung.
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich SQQ12.1 und SQQ12.2?
SQQ12.1 Lichtsteuerung qualifiziert für die Rolle des Lichtoperators: Showfile-Aufbau, Programmierstruktur, Bedienung des Pults und Arbeiten mit Licht. SQQ12.2 Lichtsystemtechnik qualifiziert für die Rolle des Lichtsystemers: Aufbau, Signalübertragung, Netzwerkinfrastruktur, Wartung und Betreuung der Anlage. Beide Fachrichtungen lassen sich nacheinander erwerben.
Welche Voraussetzungen brauche ich?
Vorausgesetzt werden die Kompetenzen einer Fachkraft für Veranstaltungstechnik, empfohlen rund zwei Jahre Praxis im Beleuchtungsbereich, Englisch auf Niveau A2, normales Farbsehen und räumliches Vorstellungsvermögen. Für SQQ12.2 kommen die Sachkunde für Anschlagmittel und die Kompetenz der Elektrofachkraft nach IGVW SQQ1 hinzu.
Wie umfangreich ist der Lehrgang?
SQQ12.1 umfasst 206 Zeitstunden, SQQ12.2 umfasst 203 Zeitstunden. Mindestens 160 Stunden davon werden von Dozierenden begleitet, der Rest entfällt auf Selbstlernphasen und praktische Arbeitstage. Angeboten wird das überwiegend online mit einer abschließenden Präsenzwoche unter Produktionsbedingungen.
Was kostet die Qualifikation?
Verbindliche Marktpreise haben sich noch nicht eingespielt, weil der Standard erst Anfang 2026 veröffentlicht wurde und die ersten Lehrgänge anlaufen. Vergleichbare IGVW-Lehrgänge liegen zwischen etwa 2.500 und 5.500 Euro. Fragen Sie beim Anbieter nach Fördermöglichkeiten wie Bildungsgutschein oder KOMPASS.
Bin ich mit SQQ12 automatisch Lichtdesigner?
Nein. SQQ12 ist ein technisch-handwerklicher Kompetenznachweis für Steuerung und Systemtechnik. Lichtdesign ist eine gestalterische Tätigkeit, die über Referenzen, künstlerische Zusammenarbeit und teilweise ein Studium der Lichtgestaltung entsteht. SQQ12.1 vermittelt allerdings Grundlagen der Lichtgestaltung und ist ein guter Zwischenschritt.
Warum spielt Augensicherheit im Standard eine so große Rolle?
Moderne LED- und Laserphosphor-Scheinwerfer erreichen sehr hohe Strahldichten. Der Standard behandelt deshalb ausführlich Augengefährdung, Blaulichtanteil und Schutzmaßnahmen. Wer Anlagen aufbaut, richtet und programmiert, muss diese Gefährdungen kennen und in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen.